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2 (1930) Von der Marokkokrise bis zum Abschied
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DES KAISERS SEELENZUSTAND

beide Völker und die Welt von größtem Segen, aber wir können es nichtvon BerUn aus anregen; schlägt er es vor oder bittet darum, dann gehenSie hin, und Gott sei mit Ihnen.' Nun geschah es also, Ich glaubte für Siegearbeitet und etwas Besonderes geleistet zu haben, da senden Sie Mir einpaar kühle Zeilen und Ihre Entlassung! ! ! Meinen Seelenzustand Ihnen zuschildern, werden Sie, lieber Bülow, wohl Mir erlassen. Vom besten, in-timsten Freund, den Ich habe seit meines armen Adolf Tode, sobehandelt zu werden, ohne Angabe eines stichhaltigen Grundes, das hatmir einen solchen fürchterlichen Stoß gegeben, daß ich vollkommen zu-sammengebrochen bin und befürchten muß, einer schweren Nerven-krankheit anheimzufallen! Sie sagen, die Situation durch den Vertrag mit,en Europe' sei so ernst geworden, daß Sie keine Verantwortung über-nehmen können. Vor wem? Und im selben Atemzuge glauben Sie es vorGott verantworten zu können, in der von Ihnen als besonders verschärftund ernst angesehenen Lage Ihren Kaiser und Herrn, dem Sie Treue ge-schworen, der Sie mit Liebe und Auszeichnungen überhäuft hat, Ihr Vater-land und, wie Ich glaubte, Ihren treusten Freund in derselben sitzenzu-lassen ! ? Mein lieber Bülow, das werden Sie uns beiden nicht antun! Wirsind beide von Gott berufen und füreinander geschaffen, für unser liebesdeutsches Vaterland zu arbeiten und zu wirken! Ist wirklich was Ichnicht glaube durch einen Fehler von Mir eine Ihrer Ansicht nachbedenklichere Situation geschaffen, so ist das im vollsten guten Glaubengewesen! So weit werden Sie Mich doch wohl kennen, um das anzunehmen!Ihre Person ist für Mich und unser Vaterland 100 000 mal mehr wert alsalle Verträge der Welt. Ich habe sofort beim Kaiser Schritte getan, diediese beiden Worte abschwächen oder eliminieren sollen! Vergessen Sienicht, daß Sie Mich persönlich gegen Meinen Willen in Tanger ein-gesetzt haben, um einen Erfolg in Ihrer Marokko -Politik zu haben. LesenSie Mein Telegramm vor dem Tangerbesuch durch. Sie haben Mir selbstgestanden, Sie hätten eine solche Angst ausgestanden, daß, als Sie dieMeldung erhalten hätten, Ich sei wieder fort, Sie einen Weinkrampf bekom-men haben. Ich bin Ihnen zuliebe, weil es das Vaterland erheischte, gelandet,auf ein fremdes Pferd, trotz Meiner durch den verkrüppelten linken Armbehinderten Reitfähigkeit, gestiegen, und das Pferd hätte Mich um einHaar ums Leben gebracht, was Ihr Einsatz war! Ich ritt mitten zwischenden spanischen Anarchisten durch, weil Sie es wollten und Ihre Politikdavon profitieren sollte! Und jetzt wollen Sie, wo Ich das alles undwie Ich zuversichtlich glaube, noch weit mehr für Sie getan, Mich einfachfahrenlassen, weil eine Situation Ihnen zu ernst erscheint! ! Aber Bülow,das habe Ich nicht um Sie verdient! Nein, Mein Freund, Sie bleiben imAmt und bei Mir und werden mit Mir gemeinschaftlich weiterarbeiten ad