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2 (1930) Von der Marokkokrise bis zum Abschied
Entstehung
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DIE PEINLICHEN HOHENLOHE-MEMOIREN

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nicht selten auf Grund häßlicher Denunziationen, womöglich nach vorher-gegangenem Erpressungsversuch oder aus persönlicher Rache erfolgten.Ich will aber nicht verfehlen, hinzuzufügen, daß es mir während meinerAmtszeit niemals in den Sinn gekommen ist, zum Schutz der kaiserlichenMajestäten ein Gesetz von der Art des 1922 von Herrn Joseph Wirth durch-gesetzten Gesetzes zum Schutz der Republik in Vorschlag zu bringen, eindrakonisches und gleichzeitig kleinliches Gesetz, durch das die republikani-schen Machthaber beweisen, daß sie für ihr doch diskutables System undihre recht unbedeutenden Personen fast so empfindbch sind, wie es in derZeit der Karlsbader Beschlüsse die sogenannteReaktion" war. Ich stellenicht ohne Genugtuung fest, daß es mir während meiner zwölfjährigenMinistertätigkeit nie in den Sinn gekommen ist, den Schatten des seligenFürsten Clemens Metternich heraufzubeschwören. Malo periculosamlibertatem.

Anfang Oktober 1906 erschienen die Denkwürdigkeiten meines ver-ehrten Amtsvorgängers und langjährigen Chefs in Paris, des Fürsten Chlod- Wilhelm II. wig Hohenlohe . Sie enthielten mancherlei Neues über die Entlassung des un< * dieFürsten Bismarck, das Verhältnis Deutschlands zu Rußland und Öster- ^^"f^reich, Urteile Bismarcks über Kaiser Wilhelm IL, waren aber im großenund ganzen in dem Geist der Mäßigung und vorsichtigen Behutsamkeitgehalten, der den alten Fürsten ausgezeichnet hatte. Wilhelm II. gerietüber die Publikationen in sehr große Erregung. Die Veröffentlichung warvon dem dritten Sohn des Fürsten Chlodwig, dem Prinzen AlexanderHohenlohe veranlaßt worden, den der Kaiser nie gemocht hatte und demer nur, weil ich sehr insistierte, den schönen Posten des Bezirkspräsidentenin Kolmar übertragen hatte. Der Kaiser richtete an den ältesten Bruderdes Prinzen Alexander, den Fürsten Philipp Ernst , ein zorniges Telegramm,in dem er erklärte, er habe mitErstaunen" undEntrüstung" von dieserVeröffentlichung Kenntnis genommen.Wie konnte es zugehen, daßdergleichen Material der Öffentlichkeit übergeben werden konnte, ohnezuvor Meine Erlaubnis einzuholen ? Ich muß dieses Vorgehen als im höchstenGrade taktlos, indiskret und völlig inopportun bezeichnen." Es sei uner-hört, über einen Souverän etwas ohne dessen Genehmigung zu veröffent-lichen. Der arme Prinz Alexander erschien bei mir in Homburg vor derHöhe, wo mir der Kaiser, um meine völlige Wiederherstellung zu beschleu-nigen, in überaus gütiger Weise sein dortiges Schloß zur Verfügung gestellthatte und wo ich schöne Spazierritte in den mir seit meiner frühestenJugend so wohlbekannten Wäldern und Tälern unternahm. Die idyllischeRuhe, die ich dort seit einigen Tagen genoß, wurde durch den PrinzenAlexander unterbrochen. Er war sehr unglücklich. Er redete sich auf denHerausgeber der Memoiren, Dr. Curtius, heraus, der sich wiederum damit