PROZESS MAPLE-ECK ARD STEIN
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nicht mehr empfange, meinte der König: „Oh, good gracious! He is notmore received anywhere." Er erzählte dann dem Kaiser, daß sich Eckard-stein „in a most inconvenient, a most ungentlemanlike way" gegenüberseiner Gattin benommen habe. Deren Vater, der reiche MöbelhändlerMaple, hätte ursprünglich Eckardstein zu seinem Erben eingesetzt. AlsEckardstein trotz aller Warnungen seines würdigen Schwiegervaters immerwieder große Summen durch unsinnige Spekulationen verloren hätte, habeMaple sein Vermögen seiner Tochter zu deren freier Verfügung hinterlassen.Nun habe Eckardstein angefangen, immer größere Summen von seinerGattin zu erpressen, was die Beziehungen zwischen den beiden natürlichverschlechtert hätte. Als die Baronin Eckardstein endlich erklärt habe, siekönne nicht mehr für die Börsengeschäfte und Schulden ihres Gatten auf-kommen, von dem sie de facto schon getrennt lebte, hätte Eckardstein siemit einem Skandalprozeß bedroht, und als sie sich dadurch nicht beein-drucken ließ, gegen sie einen Prozeß wegen Ehebruchs, begangen mit ihremArzt in London , angestrengt. Aus dem Prozeß wäre die Baronin Eckardsteinvöllig gerechtfertigt hervorgegangen, Eckardstein aber derartig bloßgestelltund in einem so üblen Lichte, daß das anwesende Publikum ihn beim Verlassendes Gerichtssaals beschimpft, tätlich bedroht und fast verprügelt hätte. Ersei seitdem für alle anständigen Leute erledigt. Kaiser Wilhelm geriet inheftige Erregung und erklärte sofort, nicht ohne Pathos, denn er wollteseinem Onkel zeigen, ein wie strenger Hüter des Anstandes und guter Sitteer sei, daß Eckardstein den „schlichten Abschied" erhalten müsse, wie dermilitärische Terminus technicus laute, und daß dies im Reichsanzeigeröffentlich bekanntgegeben werden solle. Ich habe diesen Befehl wie manchenanderen nicht buchstäblich ausgeführt und Eckardstein wie später denunglücklichen Philipp Eulenburg ohne Aufsehen noch Lärm aus der Stel-lung z. D. in die Stellung a. D. überführen lassen. Ich sollte erst währendder letzten Zeit meiner Reichskanzlerschaft wieder von Eckardstein hören,wo er gemeinsam mit dem Pamphletisten Rudolf Martin, der sich nach derNovemberrevolution von 1918 der U. S. P. D. , dem linken Flügel derSozialdemokratie, anschloß, und dem Zeremonienmeister Eugen Röder,dem üblen Bruder der intriganten Gräfin Paula Alvensleben, gegen micheinen „Bund der Kaisertreuen" bilden wollte.
Vom 15. Juni bis zum 15. Oktober 1907 tagte im Haag die zweite Frie-denskonferenz, die durch den niederländischen Minister des Äußern, den Zweite Haagerfrüheren niederländischen Gesandten in Berlin , Herrn Tets van Goudrian, Friedens-einen wohlgesinnten und taktvollen Diplomaten, eröffnet wurde. Den KonferenzVorsitz übernahm der russische Bevollmächtigte, Botschafter Nelidow . Inder Frage der internationalen Friedens- und Abrüstungsbestrebungengegenüber der pazifistischen Propaganda und den Forderungen nach