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2 (1930) Von der Marokkokrise bis zum Abschied
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DIE KRONE EX NEXU

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fürchte ich, weil es Holstein nicht auf 10000 Mark ankäme, wenn er dafüreinen einwandfreien Zeugen bekäme. Zu welcher Macht Harden resp.Holstein durch die erfolgten Verabschiedungen (Kuno Moltke , beideHohenau ) stiegen, ist ganz unerhört. Und dennoch finde ich es absolutrichtig, daß Du diese fabelhaften Fehler geschehen ließest, ohne eine Krisezu machen. Du hättest nur die Stellung der Generäle bis ins Unendlichegesteigert, und wir hätten leicht, nachdem ihr Einfluß so gewachsen ist,wie die letzten Vorgänge zeigen, einen Reichskanzler Hülsen haben können.Deine Leitung durch die Stromschnellen ist die einzig mögliche und einepatriotische Tat, wenn Du sie vollbringst. Du siehst hieraus, gebebterBernhard, wie ich die Lage auffasse und wie es mir darum ganz fern lag,Deine Mitarbeit an meinem letzten Akt als Kränkung zu empfinden. Ichdanke Dir auch von Herzen für die Art, wie du den treuen Axel benütztest.Was Du in alter Freundschaft in der gefährhchsten Lage für mich getanund tust, weiß ich durch Axel Varnbüler und meinen Vetter August Eulen-burg und werde es Dir niemals vergessen."

Dem Kaiser schrieb ich, einige Tage nachdem ich seine Order erhaltenhatte, Phüipp Eulenburg sei schwerkrank. Er habe mir telegraphiert, daßer völlig aus dem Dienst scheiden wolle, aus dem er bis dahin mit Wartegeldbeurlaubt gewesen war. Ich fügte hinzu: In diesen peinlichen Angelegen-heiten müßten wir darauf halten, daß einerseits die Krone ex nexu gehaltenund aus der Sache ganz herausgebracht würde, daß aber auch andererseits,soweit dies unsere Gesetzgebung zuließe, nicht zur Freude des Auslandszu viel Skandal öffentlich breitgetreten würde. Über jedes Lob erhabenwar die unerschütterliche Treue und unbegrenzte Liebe, mit der währenddieser furchtbaren Prüfung die Fürstin Augusta Eulenburg zu ihrem Mannehielt. Sie hat nie an ihm gezweifelt, ihn immer und gegen jeden verteidigt,ihn bis zu seinem Tode mit Liebe und Zärtbchkeit umgeben. Nicht mit Un-recht hatte Eulenburg sie in den Gedichten seiner Jugend mit den stdlenSeen ihrer schwedischen Heimat vergbchen. Alles in ihr war klar und rein.Das Unechte und Unrechte lag ihr nicht nur fern, sondern war ihr unver-ständlich. Als Phibpp Eulenburg im Herbst 1921 starb, schrieb sie an meineFrau, die ihr kondobert hatte, sie habe nur noch den einen Wunsch, baldmit ihrem geliebtenMärtyrer" vereinigt zu sein, dort, wo Gottesflam-mende Gerechtigkeit" alles erhellen werde, was jetzt dunkel sei. MeinBruder Alfred, der Phibpp Eulenburg von Jugend auf nahestand, mit ihmin Straßburg studiert und die Referendarszeit gemeinsam mit ihm in Neu-Ruppin verlebt hatte, schrieb mir im Winter 1907/1908:Alles kommt dar-auf an, daß Philipp Eulenburg , wenn er auch in noch so jammervollemkörperhchem und seelischem Zustande ist, seinen Prozeß, der ja, wie ich inden Zeitungen lese, angestrengt ist, klar und unzweideutig durchficht und