LAUTES GELÄCHTER IM UNTERHAUS
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genommenen amtlichen Feststellung in der „Norddeutschen AllgemeinenZeitung" einverstanden wäre. Zu meinen Ausführungen über die bedauer-liche Wirkung seiner Äußerungen schrieb der Kaiser: „Einverstanden!"Am Schlüsse meines Immediatberichts hatte der Kaiser noch bemerkt:„Es kann noch hinzugefügt werden, daß das Manuskript den Niederschlageiner Reihe von Gesprächen darstelle, die Ich im Laufe des vorigenHerbstes in England mit verschiedenen Persönlichkeiten gehabt hätte.Und daß es der Wunsch derselben gewesen sei — weil sie so überzeugend fürdas englische Publikum sein würden —, den Inhalt einem möglichstgroßen Kreise ihrer Landsleute zugänglich zu machen; was Ich genehmigtenach Einschlagung des oben gekennzeichneten Weges."
Was die Wirkung der kaiserlichen Äußerungen auf England betraf, sohätte ich in meinem Immediatbericht noch hinzufügen können, daß unmit- Wirkungtelbar nach dem Erscheinen des „Daily-Telegraph "-Artikels ein Abgeord- des Artikelsneter im Unterhaus den Kriegsminister frug, ob wirklich der Feldzugsplan in England zur Beendigung des Burenkriegs, eines Kriegs, von dem in England bishergeglaubt worden wäre, daß ihn Feldmarschall Roberts gewonnen habe, vomDeutschen Kaiser ausgearbeitet worden sei, und wenn das der Fall wäre,ob Kriegsminister Haidane dieses Schriftstück veröffentlichen wolle. DerKriegsminister erwiderte, daß die Archive des Kriegsministeriums keinderartiges Schriftstück enthielten, auch sei ein solches nicht in den Besitzirgendeiner anderen mit dem Kriegsministerium zusammenhängendenStelle gekommen. „Ich bin daher nicht in der Lage", hatte der Kriegs-minister Haidane geschlossen, „den Wunsch nach Veröffentlichung desbetreffenden Schriftstücks zu erfüllen." Hinter dieser Antwort des Kriegs-ministers verzeichnete der englische Parlamentsbericht: „Lautes und all-gemeines Gelächter." Wenn dieses Gelächter die Stimmung der Mitgliederdes Unterhauses gegenüber den Phantastereien des Kaisers wiedergab,so will ich nicht verschweigen, daß die Haltung der englischen Regierungdurchaus korrekt und freundlich war. Sie ließ mich durch den englischenBotschafter in Berlin vertraulich wissen, daß sie alles tun würde, was inihren Kräften stünde, um meine durch den Artikel des „Daily Telegraph" schwierig gewordene Lage zu erleichtern und jedenfalls eine Verschärfungder Situation zu verhindern. An der Spitze der „Norddeutschen All-gemeinen Zeitung" ließ ich die nachstehende Verlautbarung veröffentlichen:„Ein großer Teil der ausländischen und inländischen Presse hat wegen desim ,Daily Telegraph' veröffentlichten Artikels kritische Betrachtungengegen die Person Seiner Majestät des Kaisers gerichtet, wobei von der An-nahme ausgegangen wurde, der Kaiser hätte diese Publikation ohne Vor-wissen der für die Politik des Reichs verantwortlichen Stelle veranlaßt.Diese Annahme ist unbegründet. Seine Majestät der Kaiser hatte von einem
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