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EIN VERNICHTETES PROTOKOLL
der Armee so insbesondere auch der Marine erweisen könne, größereZurückhaltung, mehr Sachlichkeit, mehr Ernst, Umsicht und Vorsicht inseinem ganzen Verhalten sein würde.
Der Staatssekretär des Innern, Herr von Bethmann Hollweg, zog darausdas Fazit, daß es die Pflicht des Ministerpräsidenten sei, Seiner Majestätdem Kaiser ein „Bis hierher und nicht weiter!" zuzurufen. Gegenüberdem Reichstag aber dürfe der Kanzler keinen Zweifel darüber lassen, daßder Kaiser künftig Handlungen und Worte unterlassen müsse und würde,die für die Autorität der Krone und die Ruhe im Lande gleich gefährlichwären. Ich darf nicht verschweigen, daß, als ich einige Monate später dasProtokoll dieser denkwürdigen Sitzung verlangte, der Unterstaatssekretärim Staatsministerium mir mit einiger Verlegenheit meldete, auf dringendeBitte mehrerer Mitglieder des hohen Staatsministeriums sei dieses Proto-koll „im Interesse der Würde der Krone" vernichtet worden.
Am 6. November brachte die „Konservative Korrespondenz", dasoffizielle Organ der Konservativen Partei, eine parteioffizielle Kundgebung,in der es hieß: „Wir sehen mit Sorge, daß Äußerungen Seiner Majestät desKaisers, gewiß stets von edlen Motiven ausgehend, nicht selten dazu bei-getragen haben, teilweise durch die mißverständliche Auslegung, unsereauswärtige Politik in schwierige Lage zu bringen. Wir halten, geleitet vondem Bestreben, das kaiserhche Ansehen vor einer Kritik und Diskussion,die ihm nicht zuträglich sind, zu bewahren, sowie von der Pflicht beseelt,das Deutsche Reich und Volk vor Verwicklungen und Nachteilen zuschützen, uns zu dem ehrfurchtsvollen Ausdruck des Wunsches verbunden,daß in solchen Äußerungen künftig eine größere Zurückhaltung beobachtetwerden möge."
Die „Kreuz - Zeitung " erklärte in ihrem Kommentar zu dieser Kund-gebung der Konservativen Parteileitung: „Möge der alles Dankes würdige,mutige Schritt unserer Parteiführer zum Segen des Vaterlandes gereichen!Und sollte er selbst nicht vollen Erfolg haben, so wissen wir doch vonneuem, daß die Konservative Partei sich auf die Einsicht und Selbstlosig-keit unserer Führer immerdar verlassen kann, wie sie selbst sich auf diePartei verlassen können."
In weiten Kreisen wurde die Erregung gegen den Kaiser noch dadurchverstärkt, daß über den Aufenthalt Seiner Majestät in Donaueschingen durch seinen Gastgeber, den Fürsten Max Fürstenberg , taktlose Berichtein die Presse gelangten, in denen nur von prächtigen Fuchsjagden undhöchst amüsanten Vorträgen eines aus Frankfurt nach dem Fürstenbergi-schen Schloß berufenen Kabaretts die Rede war. Als ich durch Vermittlungdes Oberhofmarschalls und Hausministers August Eulenburg in Donau -eschingen darauf aufmerksam machen Heß, daß das dortige, wenig ernste