KUNDGEBUNGEN
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und freudige Genugtuung" darüber aus, daß mein Verbleiben auf demPosten des Reichskanzlers gesichert wäre. „Möge es Eurer Durchlauchtnoch lange vergönnt sein, die deutsche Politik sicher und stetig zu leitenzum Segen des Reichs und zur Förderung des Friedens unter den Völkern."In der Zweiten Sächsischen Kammer erklärte der Staatsminister GrafHohenthal in einer Debatte über die Reichspolitik: „In der Sitzung desBundesratsausschusses für auswärtige Angelegenheiten hat Fürst Bülow invierstündigem freiem Vortrage über alles eingehende Mitteilung gemacht,was sich in den letzten Jahren in bezug auf die auswärtigen Angelegen-heiten begeben hat. Diese Mitteilungen waren streng vertraulich. Ich kannaber hervorheben, daß in der Aussprache, an der sämtliche Mitglieder desAusschusses teilnahmen, festgestellt wurde, daß die Leitung der aus-wärtigen Politik in den allerbesten Händen ist und daß der Reichskanzler,wenn er, wiewohl schweren Herzens, sich entschlossen hat, in kritischerStunde die Bürde seines Amtes weiter zu tragen, dies aus reinem Patrio-tismus, Pflichtgefühl und Anhänglichkeit an den Kaiser geschah." Derbayrische Gesandte gab mir gegenüber im Auftrage des greisen Prinz-regenten mit großer Wärme dem Wunsche Ausdruck, ich möge im Amtverbleiben. Zwei journalistische Veteranen aus der Bismarckzeit, PaulLindau und Ludwig Pietsch , gratulierten mir mit gleicher Wärme wieEugen Zimmermann, der spätere Mitarbeiter Wilhelms II. bei seinen „Er-scheinungen und Gestalten". Dr. Oertel, Chefredakteur der agrarischen„Deutschen Tageszeitung", ein konservativer Politiker und Parlamentariervon Talent und Gewicht, begrüßte in einem an mich gerichteten Tele-gramm mein Bleiben „nicht nur im Interesse Eurer Durchlaucht, sondernin dem des Kaisers und des Reichs"; Gott möge mir Kraft und Frischegeben, noch lange des schweren hohen Amtes zu walten, damit diese letztenbangen Tage bleibende gute Früchte zeitigten. In gleichem Sinne tele-graphierte mir der Leiter der konservativen „Schlesischen Zeitung", OttoRuese. Es fehlte auch nicht an scherzhaften Zuschriften. Ein „Englishadmirer" schickte mir nachstehende, mit kunstvollen Lettern und großenInitialen auf Pergamentpapier gedruckten Verse:
For the KaiserSomething to remember:If your lips you'd keep from slipsFive things observe with care:Of whom you speak, to whom you speakAnd how, and when, and where.
Albert Ballin telegraphierte mir „glücklich und von Herzen dankbar",daß ich in der hohen Stellung dem Vaterland erhalten bliebe. Der General