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2 (1930) Von der Marokkokrise bis zum Abschied
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DIE DREI MONARCHIEN

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freuen, österreichische und ungarische Würdenträger und Staatsmännerzu sehen. Ein Zusammentreffen mit Aehrenthal sei für ihn ausgeschlossen.Aehrenthal hatte gewünscht, daß nach dieser schroffen Ablehnung seinerPerson sein allerhöchster Herr auf den Besuch des russischen Großfürstenverzichten möge. Der alte Kaiser Franz Josef aber wollte den diplomatischenStreit zwischen Österreich und Rußland nicht zu einem Zerwürfnis zwischenden beiden Höfen und Dynastien ausarten lassen und empfing den Groß-fürsten mit gewohnter ritterlicher Courtoisie.

Über das österreichisch-russische Verhältnis hatte bei unserem letztenZusammensein Iswolski gemeint, er würdige nach wie vor alles, was ich österreichisch-ihm oft genug über die schweren Gefahren gesagt hätte, die jeder ernstliche r """ c ' iaKonflikt zwischen den drei Kaiserreichen für den Bestand der monarchi- ^ tz '- e ^ un & ensehen Ordnung und der Dynastien in sich berge. Das monarchische undkonservative Rußland habe an und für sich gar kein Interesse an einemKrieg mit der habsburgischen Monarchie. Es habe bisher nie einen Kriegzwischen Österreich und Rußland gegeben trotz mancherlei Interessen-gegensätze und gelegentlicher Zerwürfnisse. Was im achtzehnten undneunzehnten Jahrhundert möglich gewesen sei, nämlich die Vermeidungeiner kriegerischen Auseinandersetzung zwischen Rußland und Österreich ,sollte auch im zwanzigsten Jahrhundert gelingen. Die Voraussetzung abersei, daß Österreich nicht versuche, Rußland ganz von der Balkanhalbinsel zu verdrängen. Fürst Bismarck habe lange empfohlen, einen Modusvivendi zwischen Rußland und Österreich auf der Basis zu suchen, daßRußland in Bulgarien, Österreich in Serbien freie Hand erhalte. Inzwischensei erst durch die Battenberg-Episode, dann durch die Wahl des PrinzenFerdinand von Koburg zum Fürsten von Bulgarien der österreichischeEinfluß in Sofia weit stärker als der russische geworden. Ahnlich stünde esin Bukarest, wo man sich mehr nach Berlin und Wien als nach Petersburg orientiere. Damit wäre die alte Bismarcksche Lösung hinfällig geworden.Jedenfalls dürfe Österreich , nachdem es jetzt einen eklatanten Erfolg inder bosnischen Frage erzielt habe, Serbien nicht weiter bedrängen. Ne bisin idem! Serbien habe auf der ganzen Linie nachgegeben, es sei gedemütigt,es sei genügend gestraft worden. Weitere Fußtritte würden vom Übel sein.Österreich-Ungarn würde sogar klug daran tun, in wirtschaftlichen Fragenden Serben einige Konzessionen zu machen. Würde ein kleiner Hafen fürSerbien an der adriatischen Küste wirklich eine Gefahr für die große öster-reichisch-ungarische Monarchie sein? Iswolski sagte mir wörtlich: ,,Sij'avais des arriere-pensces, je me rejouirais des maladresses des Autrichienset des Hongrois vis-ä-vis des Serbes qu'on pousse ainsi dans nos bras.Mais dans l'interet de la paix europeenne et des grandes dynasties je vou-drais que TAutriche soit un peu plus habile." Iswolski schloß unsere letzte

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