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DER BUND DER KAISERTREUEN
schon anläßlich des Sturzes des armen Philipp Eidenburg erwähnte,letzteren als Favorit des Kaisers abgelöst hatte. Er war durch den Todseines Vetters Karl Egon in den Besitz der großen schwäbischen Standes-herrschaft Donaueschingen getreten, aber innerlich schwarzgelber Öster-reicher gebbeben. Seine Erziehung war eine österreichische gewesen, seineMutter, eine Khevenhüller, seine Frau, eine Schönborn-Buchheim, warenVollblut-Österreicherinnen. Er war mir oft dadurch unbequem geworden,daß er den Kaiser nicht nur als Schwarzgelber gegen Italien , sondern auchgegen Rußland aufstachelte. Dagegen trat er, wo er konnte, für die Polen ein. Der Oberhofmarschall Reischach, mit einer Ratibor verheiratet, derenMutter eine Fürstenberg gewesen war, fühlte sich beglückt, mit einemFürsten Fürstenberg als „Vetter" renommieren zu können, und hielt, woer konnte, dem Günstling des Kaisers den Steigbügel. Daß Max Fürstenberg in Geldverlegenheiten geraten war, störte den Kaiser nicht. Neben Fürsten-berg spielte der Zeremonienmeister Eugen Röder mit seiner Schwester,der Gräfin Paula Alvensleben, im Bunde der Kaisertreuen eine Rolle. Erhatte schon gegen Bismarck, Vater und Sohn, intrigiert und intrigiertejetzt gegen mich, obwohl er mir jahrelang in platter Weise die Cour gemachthatte. Wenn ich zu einem Hofball fuhr, so pflegte er mich und meine Frau,den federgeschmückten Hut in der Hand, am herrlichen EosanderschenPortal des Schlosses zu erwarten, um die Ehre zuhaben, meine Frau vom Torbis in den Weißen Saal zu führen. Wenn ich ihn ermahnte, sich nicht einemSchnupfen auszusetzen, legte er die Hand aufs Herz und meinte mit he-roischer Miene: „Lieber eine Lungenentzündung, als meine Pflicht gegen-über der Frau Fürstin versäumen." Durch den in England gescheitertenfrüheren Botschaftsrat Eckardstein waren die „Kaisertreuen" mit demPamphletisten Rudolf Martin in Verbindung getreten. Martin war einsächsischer Beamter gewesen, der bei seinen Vorgesetzten durch outriertesStrebertum mißliebig geworden war. Es gelang der sächsischen Regierung,ihn aus Sachsen fortzuloben und ihn dem Reichsamt des Innern anzuhängen.Dort geriet er in Konflikt mit dem Grafen Posadowsky, der ihn in seinermit Unzuverlässigkeit verbundenen Unbrauchbarkeit bald erkannte und ineinem unbedeutenden Dezernat kaltstellte. Um sich zu rächen, veröffent-lichte Martin eine Broschüre gegen Posadowsky . Er hatte die Frechheit,sie mir zu übersenden. Er hatte gehört, daß zwischen Posadowsky und mirMeinungsverschiedenheiten bestünden, und hoffte, sich bei mir durch seinenhinterrückschen Angriff gegen seinen Chef lieb Kind zu machen. NatürlichHeß ich eine Disziplinaruntersuchung gegen ihn einleiten, die zu seiner Ent-fernimg aus dem Reichsdienst führte. In wessen Solde Burschen wie RudolfMartin und Eckardstein standen, möchte ich nicht weiter erörtern. Derdamalige Direktor im Scherl-Verlag und spätere Mitarbeiter des Kaisers