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2 (1930) Von der Marokkokrise bis zum Abschied
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ÜBER DIE FLOTTENFRAGE LÄSST SICH REDEN

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Kirche in Preußen ganz beruhigt. Der Brief schloß:Ich freue mich in demberuhigenden Bewußtsein, daß Eure Durchlaucht das Staatsruder in Hän-den haben. In treuester Verehrung und Anhänglichkeit Eurer Durchlauchtergebenster G. Kardinal Kopp."

Gerade in den Tagen, wo im Reichstag die Würfel fielen, wurden zwischenmir und dem Botschafter in London bedeutsame Briefe gewechselt. Ich gab Briefwechselin meinem Schreiben vom 23. Juni 1909 an Metternich der Ansicht Aus- m " rfcmdruck, daß der Wunsch, durch eine Verständigung mit Deutschland die ^j"^" . ^Sorgen um die Sicherung der englischen maritimen Unantastbarkeit und umdie finanziellen Lasten, die eine zu schnelle und starke Flottenvermehrungerfordere, einigermaßen vermindert zu sehen, nach wie vor in England vorhanden wäre. Daß ein ähnlicher Wunsch in weiten Kreisen auf unsererSeite bestehe, hätte ich dem Botschafter in früheren Erlassen mehr alseinmal dargelegt. Eine Änderung in dieser Beziehung sei bei uns nichteingetreten. Ich hielte es für ratsam, in England an geeigneter Stelle zu-nächst andeutungsweise zu erkennen zu geben, daß wir nicht abgeneigtwären, auf billiger Grundlage mit uns über die Flottenfrage reden zulassen. Ich schrieb:Es ist meine feste Überzeugung, daß man bei gutemWillen auf beiden Seiten und wenn englischerseits alles vermieden wird,was als Drohung oder Druck aussieht, sehr wohl im Rahmen einer allge-meinen Annäherung auch zu einer Verständigung über die Schiffsbautengelangen könnte. Daher bitte ich Sie, sobald die Finanzfrage bei uns geklärtsein wird, Gespräche mit leitenden politischen Persönlichkeiten über dieFlottenfrage nicht gerade zu forcieren, aber bei jeder sich bietenden Ge-legenheit keinen Zweifel darüber zu lassen, daß eine Verständigung mitEngland auch über die Flottenfrage durchaus nicht außer dem Bereich derMöglichkeit liegt, sofern damit eine uns freundlichere Orientierung derallgemeinen englischen Politik verbunden ist. Es empfiehlt sich um so mehr,daß Sie sich auch gegenüber Sir Edward Grey und Sir Charles Hardinge ,immer ungesucht, im Sinne meiner Erlasse äußern, damit bei ihnen nichtder Eindruck hervorgerufen wird, als ob wir unsere Ansicht veränderthätten. Falls Grey und Hardinge Sie auf die Sache direkt anreden, könnenSie auch schon vor der Erledigung der Finanzreform bei uns sich in diesemSinne äußern, doch müßte vermieden werden, daß bei den beiden Staats-männern der Eindruck erweckt wird, wir kämen ihnen mit dieser Sache,weil uns der Atem auf finanziellem Gebiete ausginge. Wie wir in der Sacheweiter handeln, wird vornehmlich von den Gegenäußerungen und etwaigenVorschlägen abhängen, denen Sie begegnen werden und über die ich IhrenBerichten mit Interesse entgegensehe." Eine Woche später schrieb mirPaul Metternich :Ich werde Ihnen in den nächsten Tagen einen eingehen-den Bericht oder Privatbrief über die hiesige Lage mit Bezug auf die