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DER BLICK AUF DIE ARMBANDUHR
Denken Eure Majestät an seinen Erlaß an den guten Deines, meinen altenFreund und Regimentskameraden, Eurer Majestät ausgezeichnetenGeneraladjutanten. Ich habe Eurer Majestät nach dem Manöver in Koblenz,es war wohl 1905, die Abschrift dieses Bismarckschen Erlasses, die ich mirgenommen hatte, vorgelesen und Eure Majestät gebeten, sie an Sich zunehmen." S. M. (sieht wieder nach der Armbanduhr): „Schön, schön. Ichwerde das nicht vergessen. Seien Sie ganz ruhig. Nun muß Ich aber fort.Ich darf Monaco nicht warten lassen. Ich nehme Sie aber mit in Mein Bootund fahre Sie hin." Ich: „Sehr gnädig, Eure Majestät! Nur noch das eine:Gerade wenn Sie zu meinem lebhaften Bedauern ein Agreement mit England über das Tempo unserer Schiffsbauten ablehnen, müssen Sie doppelt vor-sichtig mit den Russen sein. Ich sage es noch einmal, an einen plötzlichenUberfall von Seiten der Engländer glaube ich nicht, wohl aber, daß ein durchdas Tempo unserer Schiffsbauten ganz außer Rand und Band gebrachtesEngland gegen uns vorgehen wird, sobald wir mit Rußland aneinander sind.Und dann: Wollen Sie wirklich Bethmann? Karl Wedel wäre besser."S. M. (während er zum Fallreep geht): „Der ist Mir zu eigensinnig, zu sehrDickkopf, das wissen Sie ja seit langem." Ich: „Oder Schorlemer? Er hatmehr Kavalierperspektive als Bethmann. Oder Rheinbaben ? Der hat mehrCourage." S. M.: „Nein! Es bleibt bei Bethmann. Passen Sie nur auf, wennder lange Kerl sich von der Bank des Bundesrats im Reichstag erhebt unddie verehrten Reichsboten mit seinen strengen Augen ansieht, dann kriegensie es alle mit der Angst und verkriechen sich in ihre Mauselöcher. Und dafürist es hohe Zeit! Nun aber rein ins Boot."
Einige Minuten später waren wir an Bord der „Alice", der DampfjachtBeim Fürsten des Fürsten von Monaco . Der Fürst, der sich ganz als Franzose fühlte,von Monaco hatte eine größere Zahl französischer Freunde an Bord. Andere Franzosenwaren von der Dampfj acht des reichen Schokoladenfabrikanten Meniergekommen, die gleichfalls im Kieler Hafen lag. Sie alle wußten, daß ich inKiel war, um meinen Abschied einzureichen, und beobachteten mit ge-spannter Aufmerksamkeit, mit nicht geringer Neugier und mit einer ge-wissen Malice, wie sich der Verkehr zwischen dem Kaiser und seinem Kanzlerabspielen würde. Ich war natürlich vollkommen ruhig und führte eine leb-hafte Konversation. Der Kaiser war auch in bester Haltung und lachtesehr über einige Anekdoten, die ich erzählte. Als wir uns von Tisch erhoben,näherte sich mir einer der französischen Herren, ein früherer Minister ■—■wenn mich mein Gedächtnis nicht täuscht, hieß er Jules Roche oderähnlich — und sagte mir: „Ma foi, ce dejeuner a ete delicieux. Nous avonscru assister ä une scene de theätre, ä un drame de Scribe ou de notre grandHugo. J'ai vu plus d'un ministre s'en aller, mais pas un dans une aussibelle attitude. Vous avez ete parfait, mon Prince, le sourire sur les levres et