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2 (1930) Von der Marokkokrise bis zum Abschied
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BEI PHILIPPI SEHEN WIK UNS WIEDER

Fiat weiter zurückgehen wird. Wir werden auch sehen, ob die Fortschrittedes Deutschtums in der Ostmark, die von den Oberpräsidenten von Posenund Westpreußen gerade in der letzten Zeit konstatiert worden sind, auf-rechterhalten und weiterentwickelt werden, ob man die Weifen nieder-halten wird, die im Jahre 1907 fortgefegt worden sind. Wenn dies gelingt,so wird sich niemand mehr darüber freuen als ich. Denn ich werde darindie Bestätigung erhalten, daß ich mit meiner Politik auf dem rechten Wegewar, daß sie sich durchsetzt trotz der Fehler der Konservativen. Wenn nicht,so wird man darin das schlimme Ergebnis der Haltung der Konservativenzu sehen haben, die dann als frivoles Spiel mit den Interessen der Mon-archie und des Landes erkannt werden würde. Bei Philippi sehen wir unswieder." Wenn ich zurückschauend an diese Worte denke, so halte ich sieaufrecht, auch wenn ein historisch gerechtes Urteil die Mitschuld desKaisers nicht bestreiten kann. Der Hinweis auf Philippi war selbstverständ-lich keine Hoffnung, sondern eine Warnung. Auch Kassandra wünschtenicht den Untergang Trojas, als sie ihn fürchtete und, wie es in Schillers Ballade so schön heißt, ihn intrauriger Klarheit" ahnte. Meine Unterredungmit Herrn von Eckardt schloß mit den nachstehenden, von mir an ihn ge-richteten Worten:Ich scheide mit dem Wunsche, daß das deutsche Volkunter Überwindung aller Hindernisse und Gefahren in steigendem Wohl-stand, in Sammlung und ungebeugter Kraft seine Bahnen weiterverfolgenund seine Stellung in der Welt behaupten möge." Was den Vorwurf be-trifft, daß Heydebrand und Westarp im Winter 1908 09 mit den Interessender Monarchie und des Landes ein frivoles Spiel getrieben hätten, so vermagich ihn nicht zurückzunehmen, sondern kann höchstens hinzufügen, daßdas von den konservativen Fraktionsführern betriebene Spiel nicht nurfrivol, sondern gleichzeitig einfältig war.

Am 14. Juli veröffentlichte der Reichsanzeiger meine Entlassung unterDie Ent- Verleihung der Brillanten zum Schwarzen Adlerorden und gleichzeitiglassung wird jj e Ernennung des Staatssekretärs von Bethmann Hollweg zum Reichs-trrößmüitht Kanzler, des bisherigen Handelsministers Delbrück zum Staatssekretär desInnern, des bisherigen Schatzsekretärs Sydow zum preußischen Handels-minister und des bisherigen Unterstaatssekretärs im Reichsamt des Innern,Wermuth. zum Schatzsekretär. Der Kabinettsrat von Valentini überbrachtemir das Handschreiben, das der Kaiser anläßbch meines Rücktritts an michgerichtet hatte und das ich nachstehend wiedergebe:Mein lieber Fürst!Aus Ihrem erneuten Gesuch habe Ich zu Meinem schmerzlichsten Bedauernersehen, daß Sie entschlossen sind, von Ihren verantwortungsvollenÄmtern als Reichskanzler, Präsident des Staatsministeriums und Ministerder auswärtigen Angelegenheiten zurückzutreten. So schwer es Mir fällt,auf Ihre bewährte Kraft bei der Leitung der Reichs- und Staatsgeschäfte