IM GARTEN AM BERLINER SCHLOSS
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zu verzichten und das Band vertrauensvollen Zusammenwirkens, das Michso viele Jahre mit Ihnen verbunden hat, zu lösen, habe Ich doch in Würdi-gung der gewichtigen Gründe Ihres Entschlusses geglaubt Ihrem dringenden\\ unsch Mich nicht länger verschließen zu dürfen. Ich habe daher IhremAntrage entsprochen und Ihnen die erbetene Entlassung gewährt. Es istMir aber ein Bedürfnis des Herzens, Ihnen bei dieser Gelegenheit für dieHingebung und Aufopferung, mit denen Sie in den verschiedenstenÄmtern und Stellungen Ihrer ehrenvollen und segensreichen Dienst-Lauf-balm Meinen '\ orfahren, Mir und dem Vaterlande so hervorragende Dienstegeleistet haben, Meinen wärmsten Dank auszusprechen. Gott der Herrschenke Ihnen nach einem so taten- und arbeitsreichen Leben noch vieleJahre ungetrübten Glückes. Indem Ich Ihnen als äußeres Zeichen MeinerDankbarkeit, Anerkennung und Zuneigung den hohen Orden vomSchwarzen Adler mit Brillanten verleihe und die Insignien desselben hier-neben zugehen lasse, verbleibe Ich Bar Ihnen stets wohlgeneigter, dank-barer Kaiser und König Wilhelm I. B." Bei Überreichung dieses Aller-höchsten Handschreibens bemerkte Herr von Valentini aus eigenem An-trieb, bevor ich das Schreiben gelesen harte und mit einiger Befangenheit,der kaiserliche Abschiedsbrief entspräche nicht meinen Verdiensten. Erhätte dem Kaiser einen Entwurf vorgelegt, der viel wärmer gehalten ge-wesen wäre. Der Kaiser habe diese Fassung aber abgelehnt und ein kühleresSchreiben verlangt. Valentini fügte hinzu, er führe diese Stimmung SeinerMajestät in erster Linie auf Einflüsterungen des Professors Schiemannzurück, der an dem Tage, wo mein Bücktritt sicher festgestanden habe,sich aus einem enthusiastischen Bewunderer und Anhänger des FürstenBülow in einen hämischen Feind verwandelt hätte.
Am nächsten Tage fand meine Abschiedsaudienz bei Seiner Majestät statt.Der Kaiser empfing mich in dem Gärtchen an dem sogenannten „Grünen Letzte AudienzHut", einem Anbau des Schlosses. Der Name soll von der Farbe des durch Ber ^ nsein ehrwürdiges Alter grün gewordenen Kupferdachs herrühren, das sichüber dem Turmgebäude erhebt, an das der kleine, von der Kurfürstenbrückeaus sichtbare Garten anstößt. Gegenüberdem „Grünen Hut" liegt das ältesteBerliner Hotel, der „König von Portugal", dessen Geschichte in das 17. Jahr-hundert zurückreicht. Anfänglich ein Logierhaus mit Ausschank, hatte diebescheidene Herberge in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts die Ehre,daß eine an den Hof des Königs von Preußen entsandte portugiesische Ge-sandtschaft in diesem Gasthof abstieg. Beglückt durch solche Auszeichnung,nahm die Herberge den Namen „Zum König von Portugal " an. Ob der da-malige portugiesische Reichskanzler, der Freund der Aufklärung und Feindder Jesuiten , der berühmte Jose" de Carvallo Emello Graf von Oeyras undMarquis von Pombai, von dieser Huldigung für Lusitanien etwas gewußt