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Das Freihandelsargument / von Lujo Brentano
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Schutz gefördert worden ist, zeigt ihr nunmehriger Er-trag. Früher betrug er 150 Kilogramm Brotgetreideim Werte von 200 und 60 Ellen Tuch im gleichenWerte- jetzt beträgt er 150 Kilogramm Brotgetreide undnur mehr 30 Ellen Tuch. Die 150 Kilogramm Brot-getreide kosten 300, die 30 Ellen Tuch 100. Der Gesamt-betrag der Kosten des produzierten ist also derselbe ge-blieben' er beträgt nach wie vor 400- aber das, wasfür diese Kosten erzielt wird, ist weniger geworden.Das ist die Methode, den Nationalreichtum durch ver-bot ökonomischer Fortschritte zu mehren.

Genau so wie mit dem Verbot der Dreschmaschine,dem Ersäufen des Erfinders der Bandmühle und demZerschlagen des Vampsschisses papins verhält es sich,wenn es z. B. infolge des Ausbaues des Verkehrsnetzesmöglich wird, die fruchtbaren Ländereien entfernterGegenden der Erde der Ernährung der heimischen Be-völkerung dienstbar zu machen, und die Benutzung dieserVerkehrsfortschritte durch Tarife und Zölle verhindertwird, damit auch unsere unfruchtbareren Ländereien mitGetreide bestellt werden können. In beiden Fällen wirdim Zonderinteresse bestimmter Kreise die Benutzung einesFortschrittes verhindert, welcher der nationalen Krbeitgrößere Erträge abwerfen würde.

Und nun wende man nicht etwa ein, das Beispielmit der Dreschmaschine sei deshalb nicht treffend, weiles sich bei ihm um die Bevorzugung des einen von zweiheimischen Erwerbszweigen handle. Ganz anders da-gegen, wo die auswärtige Handelspolitik in Frage stehe,hier handle es sich nicht um Begünstigung der einenund Benachteiligung der anderen 5lrt heimischer Pro-duzenten, hier seien es nichtdeutsche Produzenten, welche

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