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Das Freihandelsargument / von Lujo Brentano
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im produktions-geeigneteren Ausland gestellt. Denn esläge nicht im Interesse Portugals , alle Waren, die es billi-ger als England herzustellen vermöchte, selbst herzustellen,sondern nur diejenigen, bei deren Herstellung sein Kapitalden höchsten Gewinn und seine Arbeit den höchsten Lohnerzielte,- denn indem es seine Produktivkraft auf die Her-stellung dieser Güter konzentrierte, würde seine produkiiv-kraft sich am besten lohnen und seine Konsumenten selbstdas Tuch, das es billiger zwar als England , aber nichtso billig als Wein herzustellen vermöchte, gegen Hinaus-sendung von Wein billiger aus England erhalten, alswenn es dieses Tuch selbst herstellen wollte.

Aber setzen wir an die Stelle des von Ricardo an-genommenen Beispiels die Wirklichkeit. Da sind Eng-land und Deutschland .

Es ist an sich nicht unmöglich, in England Weinzu bauen, ebensowenig wie es, rein technisch betrachtet,unmöglich wäre, durch Bestellung auch der unfrucht-barsten Kecker den gesamten deutschen Getreidebedarf inDeutschland zu erzeugen. Unserer heutigen Technik ist jaan sich nahezu alles möglich - es fragt sich nur, zu welchenKosten. Der Marquis von Bute baut seit 25 Iahren inZüdwales Wein im Freien. Ich bin durch die Güte einermit Lord Bute befreundeten Dame in den Besitz derBerichte über die erzielten Erfolge, ja sogar in den Besitzeiner Flasche des in Schloß Toch in Glamorganshire ge-bauten Weines gesetzt worden und muß bezeugen, daßder versuch, rein technisch betrachtet, vorzüglich gelungenist. Der Wein ist von ausgezeichneter (Qualität. Kndersstellt der versuch sich dar, wenn ökonomisch betrachtet.(Obwohl in öffentlicher Versteigerung für das Dutzend

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