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Das Freihandelsargument / von Lujo Brentano
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der deutschen Landwirtschaft möglich werde, durch An-bau selbst der unfruchtbarsten Böden den gesamtendeutschen Getreidebedars zu decken. Früher, so hat manuns noch vor kurzem ausgeführt, als die Industrieschwach gewesen, sei ihr die Landwirtschaft zu Hilfe ge-kommen- nun sei es an der Industrie, der notleidendgewordenen Landwirtschaft zu helfen. Und gewiß! Wärees überhaupt möglich, den deutschen Getreidebau durchSchutzzölle zur Konkurrenzfähigkeit mit dem Auslandzu erziehen, so könnten wenigstens alle diejenigen, welchefür industrielle Erziehungszölle früher eingetreten sind,die Billigkeit dieser Forderung kaum bestreiten.

Allein so plausibel die Analogie des heutigen Be-gehrens nach Agrarschutz mit dem früheren nach In-dustrieschutz manchem erscheinen mag, so kann sie dochökonomisch schärfer Zehende nicht täuschen; und hierkomme ich auf die Gründe, warum Friedrich List's Latz:die innere Agrikultur durch Schutzzölle heben zu wollen,ist ein törichtes Beginnen, richtig bleibt, wenn sich auchmanches in der von ihm selbst vorgebrachten Begründungheute nicht halten läßt. Die Industrie wurde durchdie ihr gewährten Zölle zu solcher Vollkommenheit undBilligkeit der Produktion erzogen, daß sie völlig un-geschützt mit dem Ausland konkurrieren konnte. Diedeutsche Landwirtschaft kann durch keinen noch so hohenGetreidezoll zur Konkurrenzfähigkeit mit dem aus-ländischen Getreidebau erzogen werden. Den Grundzeigt uns die Betrachtung der Ursachen, warum derdeutsche Getreidebau mit dem ausländischen nicht zukonkurrieren vermag.

Betrachten wir die Kosten des Getreidebaues. Siebestehen in allen Ländern aus Verzinsung des Boden-

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