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Das Freihandelsargument / von Lujo Brentano
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einer solchen einverstanden sein würde? Eine inter-nationale Verkaufsorganisation zur Steigerung des Welt-marktpreises wäre nämlich nur durchführbar bei Be-schränkung der Getreideproduktion und Kontingentierungderselben auf die einzelnen Länder unter Ausschaltungder leistungsunfähigen Betriebe. Das ist die Lehre,welche die Kartellversuche auf allen Gebieten des Wirt-schaftslebens uns geben. Angenommen nun, es gelängeeinem Wundermenschen, diese Kontingentierung zur Be-friedigung aller Interessenten durchzuführen eineAnnahme, die angesichts des Interesses der Länder, diejetzt erst in unsere Kultur eintreten, die Getreideproduk-tion auf ihren ungemein fruchtbaren Boden auszudehnen,freilich unmöglich ist, aber nehmen wir einmal an,es gelänge jene Kontingentierung, wäre unsern Agrarierndenn damit gedient, wenn der Getreidebau auf jenenAeckern, deren geringe Fruchtbarkeit die hohen Pro-duktionskosten verursacht, auf Grund internationalerVerbindung eingestellt würde? Wenn ja, so könnte auchder Freihändler damit zufrieden sein. Es würde ja danngerade das geschehen, was der Freihandel unsern Ge-treideproduzenten seit Iahren predigt.

Wie dem aber auch sei, jedenfalls ist die inter-nationale Verkaufsorganisation zur Regulierung der Ge-treidepreise Zukunftsmusik. Einstweilen stehen nur erstmöglichst hohe Schutzzölle auf der Tagesordnung. Dasich diese aber nicht mehr mit List'schen Argumentenals Erziehungszölle begründen lassen, hat man diese Artder Begründung heute ganz fallen lassen. Statt dessenredet man zur Beschwichtigung der durch diese Zöllebedrohten Interessenten heute von dem protektionistischenSolidaritätssnstem, d. h. ein jedes Sonderinteresse erklärt

ZS