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mit 28 168 ha begründet worden. Die meisten Ansiedlungenfielen auf die letzten Jahre vor 1894. Nimmt man diese bestenJahre als Mafsstab des Fortschreitens der Ansiedlung in derZukunft, so gelangt man zu dem Ergebnifs, dafs in hundertJahren ganze 100 000 Deutsche unter 2V 2 Millionen Polen an-gesiedelt worden sind. Und nicht nur, dafs dies ein lächer-liches Ergebnifs des Hundertmillionenfonds wäre, dem polni-schen Grofsgrundbesitz, dessen politischen Einflufs man brechenwollte, hat man durch denselben sehr genutzt. Die Nachfrageder Ansiedlungskommission nach polnischen Gütern hat diePreise des polnischen Grundbesitzes sehr in die Höhe ge-trieben. Der Hektar kostete durchschnittlich 614 Mk., währenddie Motive zum Gesetz von 1886 einen Durchschnittspreis von560 Mk. in’s Auge gefafst hatten 22 ). Die Folge war, dafspolnischen Edelleuten, welche am Rande des Bankerott®standen, durch das Yorgelien der preufsischen Regierungwieder auf die Beine geholfen wurde. Sie verkauften ihrenBesitz an die Ansiedlungskommission zu einem Preise, densie sonst nie erhalten haben würden, und kauften davon —meist von deutschen Besitzern in den polnischen Landes-tlieilen — andere Güter, aber von einem Umfang, der ihrerfinanziellen Leistungsfähigkeit angemessen war. Delbrück hat eine Tabelle derartiger Gutsverkäufe und Neuankäufe ver-öffentlicht 23 ), welche dies auf das Schlagendste zeigt. Sehrbezeichnend ist der Brief, in dem einer seiner Berichterstatterihm schreibt: „Herr X. hat im Jahre 1888 sein im Kreise J.gelegenes Gut Y. an die Ansiedlungskommission verkauft, undhat wenige Monate darauf das in demselben Kreise be-legene, in fester Kultur stehende Gut Z. und zwar von einemDeutschen käuflich erworben. Alle Kreisinsassen wissenes ganz genau, dafs, während es Herrn X. auf die Dauer un-möglich gewesen wäre, das, nur zu einem Theil gute, schwierigzu bewirthschaftende, weit ab von jeder ordentlichen Kom-
- 1 ) Siehe Sering, Innere Kolonisation S. 203.■23) Preufsische Jahrbücher, Band 70, S. 558.