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kratisch-technischen Auffassung mit Geschichte und Leben leidetsie noch an einem zweiten Fehler. Auch sie läßt wie dieconservativ-juristische die letzten Ursachen der Umgestaltungvöllig unaufgeklärt.
Denn nehmen wir an, sie hätte Recht. Nehmen wiran, die Veränderungen in der Technik des Arbeitsprocessesseien für die Wirthschaftsorganisation und ihre Umgestaltungwirklich ausschließlich maßgebend, so bliebe immer noch dieFrage, woher plötzlich im 16. Jahrhundert die Einführungvon planmäßiger Cooperation und Arbeitstheilung im Ge-werbbetrieb, welche an die Stelle des Handwerks dieManufactur gesetzt hat, woher plötzlich im 18. Jahrhundertdie Erfindungen, welche von der Manufactur zum Fabrik-betrieb führten? Warum traten alle diese technischen Ver-besserungen nicht viel früher schon ein?
Denn Niemand kann sagen, Cooperation und Arbeits-theilung wurden deshalb nicht früher durchgeführt, weilvorher noch nicht genug Kapital angesammelt gewesen, umviele Arbeiter gleichzeitig in einem Betriebe beschäftigen zukönnen °). Wie käme es dann, daß zu derselben Zeit, dadas englische Kapital jene technischen Verbesserungen durch-führend die Manufactur schafft, das damals nicht mindergroße Kapital in Deutschland ganz überwiegend beim Hand-werksbetriebe bleibt und, wo dies der Fall ist, meist zurSchließung der Zünfte schreitet, ja die Befugnis; zum Ge-werbebetrieb an einen Realbesitz knüpft?
Und ebenso kann Niemand meinen, jene Erfindungenseien nicht früher gemacht worden, weil die Wissenschaft nochnicht hinreichend vorgeschritten gewesen sei. Denn dannmüßten es ja Männer der Wissenschaft, etwa Physiker, ge-