Druckschrift 
Albert Ballin / Bernhard Huldermann
Entstehung
Seite
78
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des übernächsten Tages zu bleiben. Ich reiste noch am Abenddes 16. Gktober (1901) nach Berlin und setzte am nächstenMorgen gemeinsam mit dem Reichskanzler die Reise nach Ebers-walde sort. In Eberswalde erwartete uns eine Extrapost, dieuns in etwa zweistündiger Fahrt nach Hubertusstock brachte.Ich durste hier in der intimsten Umgebung des Kaisers Zweiunvergeßliche Tage verleben. Der Reichskanzler hatte mir schongesagt, daß der Kaiser gegen das Übereinkommen sei, da erdurch Metternich gehört hatte, daß die Amerikaner das Rechthaben sollten, 20 Millionen von unseren Aktien zu erwerben.Nach der Mittagstafel setzte ich zunächst auf einem Lpazier-gange mit dem Kaiser und dem Reichskanzler, zu welchem auchder Flügeladjutant Kapitän v. Grumme zugezogen war, demKaiser die ganze Lage auseinander. Ich machte ihm klar, daß,während die englische nordatlantische Schiffahrt in ihren Haupt-linien von dem Trust einfach absorbiert würde, die deutschenLinien auf der Grundlage des vorgeschlagenen Abkommensihre volle Selbständigkeit bewahren könnten. Das brachte denKaiser auf die Frage, wie es mit dem NorddeutschenLloyd werden solle, und ich mußte mir schließlich die Sorgedafür auferlegen lassen, daß der Norddeutsche Lloyd durch diesegeplante Übereinkunft nicht direkt in Gefahr gebracht würde,daß ihm vielmehr Gelegenheit gegeben würde, sich der Über-einkunft anzuschließen. Der Kaiser wünschte das Abkommen,wie es in London entworfen war, persönlich zu sehen. Als iches aus meiner Tasche hervorholte, ging er in das dem Eingangzunächst gelegene Zimmer, nämlich das kleine Schlafzimmer desKapitäns v. Grumme, und es wurde hier eine mehrstündige