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als gelegentlich das Risiko zu laufen, daß Deutschland einenHafen oder einen Küstenstreifen erhält, der vielleicht, aber nichtwahrscheinlich, in Kriegszeiten einen deutschen Kreuzer be-herbergt oder als Kohlenstation für deutsche Kriegsschiffe dient.Die Beherrschung der Lee würde für unsere Nachbarn uner-
träglich, wenn sie praktisch ein Veto für ihre Ausdehnung würde,(Anmerkung des Kaisers: so it isl), es sei denn, daß untervorauszusehenden Umständen die britische Flotte im Kriegegehindert werden würde. Eine der Hauptursachen für Kriegeoder wenigstens für den Wettlauf in den Rüstungen, ist dieübertriebene Angst der Ltrategen, sich ihre Position im Kriegs-fall zu sichern. Moderne Diplomatie, hat man wohl gesagt,ist ein Manövrieren um Positionen in eingebildeten Kriegen,die von Kriegsschulen erfunden werden, und in diesem Prozeßwerden die politischen Verhältnisse, die für den Frieden sprechen,dauernd unbeachtet gelassen. 2m gegenwärtigen Fall müssenzwei Gesichtspunkte ständig vor Augen gehalten werden:
1 . Es ist eine politische Bedingung für die Erhaltung desFriedens, daß Deutschland Raum für seine Ausdehnung hat,ohne dafür kämpfen zu müssen, d. h. gute Kolonien oder Ge-schäftssphären mit Ausgängen zur Lee.
2 . Es ist notwendigerweise ein strategisches Ziel für eineAdmiralität, daß Deutschland oder irgend ein anderer Wett-bewerber auf der Lee so wenig wie möglich Häfen am tiefenMeer bescht, die in Flottenstationen umgewandelt werdenkönnen, von denen Kreuzer auf einen Handelskrieg ausgehenkönnen. Die Admiralität wird vollkommen richtig behaupten,