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Albert Ballin / Bernhard Huldermann
Entstehung
Seite
243
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daß unter modernen Verhältnissen drei Kreuzer dazu gehören,um einen einzusperren, und daß deshalb jeder starke Stützpunktunser Land mit einer unverhältnismäßig größeren Ausgabebedroht.

Es ist die Aufgabe des Staatsmannes, den Ausgleich fürdiese beiden Anschauungen zu finden. Der Standpunkt derAdmiralität, wenn er allein die Probe aufs Exempel abgebensoll, wird offenbar sich selbst vorbeilaufen, indem er Eifersucht,Reibung und Anruhe schafft, die auf die Dauer kostspieligersich erweisen wird, als die Bereitstellung einer genügendenMacht, um der Gefahr zu begegnen. Der Standpunkt desPolitikers anderseits muß den Gesichtspunkt der Flotte, fürdas was er wert ist, in Rechnung stellen, daß nämlich eineAusdehnung nach dieser oder jener Richtung das Flotten-Problem kompliziert, und muß nach Verständigungen suchen,die diese Folge nicht haben.

Die Ausarbeitung dieser Grundsätze in einem gegebenenFall, wie dem der Bagdad-Bahn und ihrem Endpunkte ist nichteinfach und mag zu Schlüssen führen, die den Chauvinistenbeider Länder nicht gefallen. In diesen Dingen müssen wirimmer an die außerordentlich geschäftsmäßige Natur der deut-schen Diplomatie denken. Es gibt kein deutsches Zugeständnis,wenn wir nicht im Tausch etwas gleichwertiges anzubieten haben.Aber auf der anderen Seite, gerade weil Deutschland diesenunerschütterlichen äc> ut des Charakter hat, ist die Lage zwischenDeutschland und den anderen Mächten genau definiert. Wennes seinem Gott für nichts dient, dient es auch dem Teufel fürnichts. Endgültig entscheidet es die Frage von Krieg oder

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