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können, aber es fehlte ja von Anfang an in Deutschland eigentlich an einer Zentralleitung. Die politische Leitung warzwar nicht abgesetzt, trat aber von Anfang an gegen diemilitärische vollkommen in den Hintergrund, diese aber arbeitetenach den ihr durch den Mobilmachungsplan gegebenen Richt-linien. Die Instanzen, die sich mit der wirtschaftlichen Krieg-führung beschäftigten, nahmen Ballin's Rat wenig oder garnicht in Anspruch, und ihn ungefragt zur Verfügung zu stellen,konnte ihm um so weniger in den Linn kommen, da er zunächstimmer hoffte, daß der Krieg nicht von langer Dauer sein werde,weil er den Glauben hegte, daß die Welt doch zu vernünftigsei, um diese Verwüstung lange fortzusetzen. Daß das nichteintrat, und die Unvernunft immer mehr die Oberhand gewann,war für ihn eine bittere Enttäuschung, um so mehr, da er stetsdie Ansicht vertrat, daß in diesem Kriege die Zeit gegenDeutschland gehe. Diese Zeit abzukürzen, den Frieden herbei-zuführen, war der ganzeÄnhalt seiner politischen Tätigkeitwährend des Krieges.
Tatsächlich ist auch durch Ballins Hände der erfolg-versprechendste Friedensvermittlungsversuch gegangen,der mir bekannt ist. Ihn in allen Einzelheiten zu schildern,muß einer Zeit vorbehalten bleiben, die keine Rücksicht aufRegierungen und Personen mehr zu nehmen hat. Er kam anBallin durch seine alten internationalen Beziehungen undwurde von ihm an Kaiser und Reichskanzler weitergeleitet,und er hatte nach zweijährigen unermüdlichen BemühungenAnfang 1917 dahin geführt, daß eine direkte Fühlungnahmezwischen den feindlichen Parteien bevorstand. Da kam die
Huldirmann, Ballin 2l.