Druckschrift 
Albert Ballin / Bernhard Huldermann
Entstehung
Seite
324
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lichster Fühlung mit Ihnen durchmessen durste, Ihnen dochmitteilen, daß ich mich entschlossen habe, nach dem Friedens-schluß mich aus meinem Amte zurückzuziehen. Ich schriebIhnen ja schon nach Beginn des Krieges, daß mein Lebens-werk zerbrochen ist. Ich bin heute überzeugt, daß es bald zuneuem Leben und zur Blüte wieder erwachen wird, aber manmüßte mir schon meine Jugend wiedergeben können, wenn ichmir die Aufgabe zutrauen sollte, in der internationalen Schiff-fahrtswelt die Stellung wieder zu erringen, die ich bis zum Aus-bruch des Krieges besessen habe. Ich kann es mir überhauptnicht denken, daß ich wieder nach London reisen sollte und denPräsidentensitz einnehmen in der Beratung der großen Fragender Weltschiffahrt. Aber in meinen alten Tagen die zweiteVioline zu spielen, das kann mir niemand zumuten. Ich kannmir überhaupt die Wiederherstellung meiner freundschaftlichenBeziehungen zu den Engländern, Franzosen und Italienernund insbesondere auch zu den Amerikanern nicht denken. Ichgelte za seltsamerweise in hohen Kreisen und sogar bei S. M.selbst für anglophil, und doch bin ich der einzige Deutsche, dermit Recht behaupten kann, daß er seit zo Jahren mit England in einem Krieg lebt um die Vorherrschaft auf dem Gebieteder Handelsschiffahrt. In dieser langen Zeit habe ich denEngländern, wenn ich mich dieses kühnen Vergleichs bedienendarf, einen Schützengraben nach dem anderen abgenommenund habe sie immer wieder attackiert, sobald ich die Mitteldazu aufbringen konnte?

Aber das erstrebenswerte Kriegsende haben übrigens auchandere ernsthafte Leute in Wirtschaft und Politik, politisch ge-