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seine Gedanken. Am i. Oktober 1914 schreibt er an denGroßadmiral von Tirpitz:
.»Mit dem, was Sie in Ihrem freundlichen Schreiben sagen,
stimme ich vollkommen überein. Sie können gar nicht schärfer und sorgen-voller diese Dinge ansehen, als ich es tue. (Diese Bemerkungen be-ziehen sich auf die politischen Vorgänge in Berlin unmittelbar vorKriegsausbruch. D. V.) Hoffentlich ist die Zeit nicht fern, welche mirdie sehr erwünschte Gelegenheit gibt, mich darüber einmal mit Ihnen,meine liebe, hochverehrte Exzellenz, auszusprechen.
Die erfolgreiche Gestaltung des Friedens wird nicht viel wenigerschwer sein wie die glückliche Durchführung des Krieges. DiesenWeltkrieg kann man meiner Meinung nach in sechs Monaten mit dengleichen Resultaten beenden, wie man sie nach 12 Monaten zu erlangenvermag. Ich meine, daß, wenn wir nicht in einigen Monaten dieGrundlage für unsere Entschädigungsforderungen geschaffen haben, dieAussichten im weiteren Verlauf der Dinge sich für uns auch nicht vielsicherer gestalten würden.
Was wir anstreben müßten, ist eine Neugruppierung in der Formeines Bündnisses Deutschland-England -Zrankreich. Dieses Bündniswird zu haben sein, sobald wir Frankreich und Belgien zu Boden ge-rungen haben, und sobald Sie sich entschlossen haben, mit England eineVerständigung über den Flottenbau herbeizuführen.
Ich weiß, daß dieser Gedanke Ihnen wenig sympathisch ist, aberohne eine Übereinkunft mit Bezug auf die Flotte werden Sie die Eng-länder niemals zu einem vernünftigen Friedensschluß bringen können.
Einen vernünftigen Friedensschluß nenne ich ein solches Abkommen,mit welchem Deutschland und England ehrenvoll nach Hause gehenkönnen, und welches weder bei der einen noch bei der anderen Nationeinen Haß zurückläßt, der den Boden schon bereitet für den nächstenKrieg.
Die französische Revanche-Idee konnte man 44 Jahre lang wohlertragen, denn man hatte nur mit einem Haufen nationalistischer Schreier