ZZI
daran noch einen Zweifel knüpfen zu können. Die größte Gefahr füruns liegt also in dem Verhalten dieser Neutralen, und ich hoffe, daßder Ministerwechsel in Österreich einer verständigen Auffassung dieserbedauerlichen aber natürlichen Notwendigkeit die Wege ebnet. Wirsollten dafür sorgen, daß wir nicht gezwungen werden, uns noch mehrzu zerfplittem, die Last, welche die Unzulänglichkeit der Bundesgenossenuns heute schon auferlegt, ist fast übermenschlich und trägt die Gefahrder Erschöpfung in sich?
Die deutsche Aktion in Italien litt unter der Zwie-spältigkeit der österreichischen Politik und kam daher nicht vomFleck. Je nach der Lage auf den Kriegsschauplätzen war inÖsterreich die Stimmung für einen Ausgleich mit Italien mehr oder weniger günstig, richtiger gesagt, mehr oder wenigerungünstig. Denn man empfand den Ausgleich natürlich alsein bitteres Gpfer und war darum auch dem deutschen Ver-mittler keineswegs günstig gesonnen. Den Fürsten Bülow be-schuldigte man, daß er „das Drentino Italien geschenkt habe".Beunruhigende Nachrichten, die Bassin aus Wien zugingen,veranlaßten ihn, dem Reichskanzler über diese Stimmung zuberichten und seine guten Dienste zur Verfügung zu stellen,falls er glaube, daß Bassins alte Beziehungen in Wien vonNutzen sein könnten. Dabei leitete ihn auch die Ansicht, daßdie deutsche diplomatische Vertretung in Wien für die öster-reichische Mentalität nicht die geeignete sei.
Bassin reiste alsdann Anfang März 1915 in offiziöserMission nach Wien und orientierte sich zunächst über diedort herrschende Stimmung bei seinem alten Freunde, demVizepräsidenten des K. K. Obersten Rechnungshofes, ExzellenzSchulz, der für eine der bestinformierten Persönlichkeiten in