Druckschrift 
Albert Ballin / Bernhard Huldermann
Entstehung
Seite
337
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weil ich überzeugt sei, für den Kaiser das Richtige getan zu haben,indem ich dahin wirkte, Tirpitz während der Dauer des Krieges nichtvon seinem Posten zu entfernen/

.Der Kanzler hat mich zu Mittwoch abend um 6Vr Uhr

bestellt, und ich bin fast 2 Stunden bei ihm gewesen. Ich habe ihmdringend geraten, in seiner Reichstagsrede demnächst eine offene Er-klärung über unsere Bereitschaft zum Frieden abzugeben und zwar ineiner Form, daß man solche Erklärung nicht als Zeichen der Schwächeauslegen kann/

.Am 10. Januar 1916 wurde ich zum Abendessen

bei denMajestäten eingeladen, welche im Neuen Palais gegen-wärtig weilen. Mit mir zusammen waren nur der Hausminister GrafEulenburg und der Landwinschaftsminister von Schorlemer dort. DerKaiser war in guter, zuversichtlicher Stimmung. Von dem Gefolgewurde niemand zur Tafel hinzugezogen, sodaß wir nur zu 5 Personenbei Tische waren. Die Unterhaltung nach Tisch dehnte sich so langeaus, daß wir den vorgesehenen Zug nicht mehr erreichen konnten underst mit dem letzten Zuge nach Berlin zurückkehrten.

Aus einer Bemerkung von mir über die Möglichkeit einer stärkerenUboot-Äktion hatte der Kaiser, wie dem Kanzler gemeldet wordenwar, den Schluß gezogen, daß ich ganz auf dem Standpunkt desAdmirals von Holtzendorff und Tirpih stehe, welche für eine groß-angelegte Uboot-Lampagne gegen England jetzt eintreten. Ich habedeshalb an den Kaiser auf Wunsch des Kanzlers den nachstehendenBrief gerichtet:

»Ich halte in den letzten Tagen Gelegenheit, über die Frage einerenergischen Wiederaufnahme der Ubootaktion mit dem Herrn Staats-sekretär von Tirpitz sowohl als auch mit Herrn Admiral von Holtzen-dorff zu sprechen.

Ich habe bei dieser Gelegenheit über die Zahl von Tauchbooten,die wir zur Verfügung haben, vertraulich Aufschluß erhalten, und ichmuß sagen, daß ich, selbst unter voller Würdigung der Wirksamkeit der

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