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brauche, sondern direkt mit Kaiser und Kanzler verkehren könne.Ballin hielt einen Rücktritt von Tirpitz in diesem Augenblickfür verhängnisvoll, da er einen schlechten und der Stellung desKaisers gefährlichen Eindruck auf die Öffentlichkeit machenmüsse. Namentlich der letztere Gesichtspunkt bewog Ballin zueiner persönlichen Intervention sowohl bei Tirpitz wie auchbei dem Chef des Marinekabinetts, und der Großadmiralführte dann auch seine Rücktrittsgedanken nicht aus.
In Ballins Aufzeichnungen heißt es weiter:
.„20. Gktober 1915. Die aufdringliche Art, in welcher
andere Interessengruppen wie der Centralverband der Deutschen In-dustrie, die Landwirte usw. ihre Wünsche für den Friedensschluß zurGeltung bringen im Zusammenhang mit dem Umstände, daß man dieLegende, ich sei für einen faulen Frieden mit England , immer weiterverbreitet, sodaß sogar Exzellenz Iimmermann mich auf die Nachteiledieser üblen Nachrede aufmerksam machen ließ, haben mich veranlaßt,die Jahresversammlung des Vereins Hamburger Reeder zu einer Er-klärung zu benutzen, die im wesentlichen daraus hinausgeht, wie ich mirdie Freiheit der Meere denke.
Der Fürst Bülow reist heute für längere Zeit nach Luzern und derkürzlich bestellte preußische Geschäftsträger, Herr von Mutius, den derKanzler nach dem Tode unseres vortrefflichen Gesandten von Bülowhierher gesandt hatte — wie man sagt. um auf den Fürsten Bülowundmichzupassen — ist prompt nach Warschau versetzt worden,da durch die Abreise des Fürsten Bülow man wohl in Berlin die Gefahrals erloschen ansieht."
.„2Z. Novbr. 19l5. Hammann fragte mich, warum ich
den Kanzler nicht besuchte, und ich sagte ihm, daß ich das Gefühl hätte,als ob der Kanzler mir meine Intervention zugunsten Tirpitz übel-genommen hätte, ein Umstand, der mich allerdings vollständig kalt ließe,