Druckschrift 
Albert Ballin / Bernhard Huldermann
Entstehung
Seite
373
Einzelbild herunterladen
 

Z7Z

Es fand diese Unterhaltung also am Freitag, den 2Z. August um10 Uhr 40 bis l Uhr 15 statt. Stinnes eröffnete mir mit seiner er«freuiichen (Offenheit und Klarheit, daß die militärische Situation sichsehr verschlechtert habe. Unser Mannschastsmaterial fange an zu ver«sagen, wir hätten viele Überläufer (Stinnes nannte, glaube ich, eineZahl von Z2 000) während der letzten Zeit. Ludendorff habe dem Krön«Prinzen endlich reinen Wein eingeschenkt, aber es bliebe noch übrig, denKaiser aufzuklären, auch darüber besonders aufzuklären, daß dieSache mit Hcrtling nicht weitergehen könne, der völlig siech sei; eigent-lich regiere sein Sohn. der Rittmeister; es geschähe nichts, um zu einemFrieden zu kommen. Auch sonst ginge es im Reich drunter und drüber.Der Kriegsminister v. Stein versage. Vielfach stellten sich die ausge-hobenen Leute gar nicht mehr, in Schlesien seien sie in großer Zahl indie Wälder geflüchtet, und die Frauen versorgten sie mit Nahrung,während das Generalkommando nichts Energisches unternähme. Ichantwortete Stinnes, daß ich bereit sein würde, im Einverständnis mitLudendorff die peinliche Mission zu übernehmen, vorher aber mit Luden-dorff darüber einig sein müsse, welche Persönlichkeit man dem Kaiserals Kanzler präsentieren wolle."

»Fortsetzung. Hamburg , den 26. August 1S18. Stinnes meinte, daßLudendorff an den Fürsten Bülow denke. Ich antwortete Stinnes, daßmeines Erachtens Bülow wohl als Führer einer Friedensverhandlungs-Kommission in Betracht käme. daß aber die Zeit für eine Wieder-bcrusung Bülows zum Amte des Reichskanzlers verpaßt sei, und daßer bei dem deutschen Volke, insbesondere bei den Sozialdemokraten,nicht das Vertrauen genieße, welches jetzt der Reichskanzler habenmüsse. Das gleiche sei bei unseren Feinden der Fall. England ,Frankreich und Amerika würden in einem Fürsten und noch dazu imFürsten Bülow nicht mehr die Persönlichkeit erblicken, die eine Demo-kratisierung Deutschlands ernstlich durchführen wolle. Es sei aber not-wendig, daß, wenn wir endlich zu einer Aussprache über den Friedenkommen würden, das Amt des Reichskanzlers in den Händen eines