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sonenftage für den Reichskanzlerposten nicht gelöst werdenkonnte. Ballin dachte als letzte Möglichkeit an Ltinnes selber,weil die Situation ihm nach einem Mann mit diktatorischenBefugnissen und entsprechendem Charakter zu verlangen schien.Aber die Unterredung mit dem Kaiser schreibt Ballin:
»Ich kam am Morgen des Z. September in Wilhelmshöhe an undwurde für 12^ Uhr zum Vortrage beim Kaiser bestellt. Man nanntees diesmal „zum Vortragt, weil der neue Chef des Iivilkabinetts,Herr v. Berg, offenbar der Zache einen amtlichen Anstrich geben wollte,um dem Vortrage beiwohnen zu können. Schließlich konnte der Kaiserin seiner Ungeduld es aber doch nicht solange hinauszögern, und ichwurde bald darauf telephonisch ersucht, mich von 1 l Uhr an bereit zuhalten.
Ich begab mich um diese Zeit ins Schloß und wartete im Zimmerdes Adjutanten, bis der Kaiser kam, um mit mir spazieren zu gehen.Aber auch Herr v. Berg hatte sich eingefunden und ging mit uns. In-folgedessen verlor die Unterhaltung die Freiheit, welche im Interesse desKaisers selbst und des Vaterlandes sehr erwünscht gewesen wäre.
Ich fand den Kaiser wieder sehr mißorientiert und in der gehobenenStimmung, die er gern in Gegenwart eines Dritten zeigt. Man hattedie Dinge so verdreht, daß selbst der schwere Mißerfolg der Offensive,der zuerst eine große Depression bei ihm hervorgerufen hatte, zu einemErfolg wurde. Man beabsichtigt jetzt in die alte Hindenburg-Ltellungzurückzugehen, und die Offensive hat also nichts erreicht als den Verlustvon einigen Hunderttausend wertvollen Menschenleben. Das alles wirddem armen Monarchen, wie gesagt, so serviert, daß er das Katastrophalegar nicht merkt.
Er seht jetzt alle Hoffnung auf Herrn v. Hintze, den er offenbar fürein großes Licht hält.
Ich habe dem Kaiser meine großen Bedenken vorgetragen und ihmgesagt, daß ich es nicht für aussichtsvoll halte, Friedensverhandlungen