Druckschrift 
Albert Ballin / Bernhard Huldermann
Entstehung
Seite
376
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mit England anzuknüpfen, sondern daß ich dringend empfehle, so schnellwie möglich mit Wil'on in Verbindung zu treten, der keinen Landge-winn in Europa anstrebt und ein Ädeologe ist, daß aber die Wahr-scheinlichkeit naheliegt, daß bei einer Fortsetzung des Krieges Wilsonin die Hände einer Kriegspartei gerät und dann für eine Grdnung derDinge nach ideologischen Grundsätzen nicht mehr zu haben ist.

Der Kaiser sah die Richtigkeit dieser Anschauung ein, glaubt abermit den Verhandlungen warten zu müssen, bis der Herbst da ist undwir in die sichere Hindcnburg-Stellung zurückgekehrt sind. Dann soll vonder angebotenen Vermitilungstätigkeit der Königin von Holland Ge-brauch gemacht werden.

Da, wo ich zu freiheitlich wurde, griff Herr v. Berg geschickt einund erklärte mir, als der Kaiser gegangen war, man dürfe den Kaisernicht zu pessimistisch machen.

Ich sprach auch mit dem Kaiser über die Freigabe der verderblichenLebensmittel, wie Butter. Eier usw., und versicherte ihn, daß die Höchst-preise und die Gesetze gegen den Schleichhandel nur dazu dienten, dasVolk auszurauben und das Geld in die Hände von Schleichhändlernzu bringen. Der Kaiser war ganz mit mir einer Ansicht, und es wurdebeschlossen, jedenfalls die verderblichen Lebensmittel zu befreien und denlegitimen Handel damit voll wieder einzusetzen.

Im übrigen erklärte der Kaiser, daß diesem Kriege bald ein zweiterfolgen würde: Der zweite punische Küeg. Er sprach viel von demBündnis zwischen England und Amerika, das natürlich gegen Japan gerichtet sei, und entwickelte politische Ansichten, die erkennen ließen,daß er außerordentlich schlecht informiert wird.

Herr v. Berg ist offenbar konservativ und alldeutsch und führt, wie esscheint, die Regierung bei Hofe. Än der Sache des gleichen Wahlrechtsfür Preußen stellte er sich allerdings auf meinen Standpunkt, nämlich,daß man das gleiche Wahlrecht durchsetzen müsse, nachdem es vom Königversprochen worden ist.