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Da der Kaiser mit der erkrankten Kaiserin allein speiste, aß ich ander sogenannten Marschallstasel, an der von den Damen nur die GräfinKeller und die Gräfin Rantzau teilnahmen, ferner die Herren des Kaiser-lichen Dienstes sowie der Arzt und Kammerherr der Kaiserin. Generalv. Gontard fungierte als Hofmarschall in Vertretung des leider schwererkrankten Herrn v. Rcischach."
In Ergänzung des Urteils Ballins über den Kaiserfige ich noch den Eingang eines Briefes von ihm vom 25.Gktober 1918 an:
»Inzwischen ist ja nun auch die Antwortnote Wilsons eingegangenund ihre Annahme wird, darüber darf man keine Zweifel walten lassen,eine Kapitulation darstellen.
Die Note läßt nach meiner Auffassung klar erkennen, daß Wilson undseine Verbündeten den Rücktritt der Hohenzollern oder doch mindestensdes Kaisers und des Kronprinzen anstreben und in der Form gemilderterZriedensbedingungen bezahlen würden.
Jeder der Männer an der Lpitze der Regierungen hat für seineGalerie zu spielen, und der Galerie könnte man allerdings den großenErfolg nicht greifbarer darlegen, als wenn man den Mann, der verant-wortlich für den Krieg gezeichnet hat, als Gpfer forderte und erhielte.Ich glaube nicht, daß der Kaiser sehr traurig sein würde, wenn er jetztmit einer noblen Geste sich ins Privatleben zurückziehen könnte. DerKrieg, der dem Charakter des Hohen Herrn völlig zuwider lag, hat dochso zermürbend auf ihn gewirkt, daß man auch in seinem Interesse es nurwünschen könnte, daß ihm der Rückzug in ein behagliches Privatlebenermöglicht werde. Das wird er selbst erkennen und sicherlich dem Wohl-ergehen des Volkes sich nicht in den Weg stellen wollen. Dagegenwird nalürlich seitens der Kaiserin ein sehr erheblicher Widerstand auf-gebracht werden. Die Ernennung seines Enkels zum Nachfolger unddie Einsetzung eines Regenten, dem man Vertrauen entgegenbringt,würde heute der ganzen deutschen Luuauon viel von ihrer Furchtbarkeit