Druckschrift 
Albert Ballin / Bernhard Huldermann
Entstehung
Seite
388
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keine andere Lösung als das Aufgehen in Preußen möglicherschien. Aber dieecht Hamburgische" Politik, der solcheKetzereien ein Greuel gewesen wären, und die ihren humor-vollsten Ausdruck wohl in der Rede eines längst verstorbenenBürgermeisters fand, in der der König von Preußen alsunser erhabener Bundesgenosse" bezeichnet wurde, äußerteBallin sich manches Mal in der drastischsten Weise. Für ihngab es keine Scheidewand zwischen Hamburg und dem Inland,die in der Vorstellung mancher kleinen Geister dasrepubli-kanische" Hamburg vom übrigen Deutschland trennte und diein Wirklichkeit so wenig besteht, daß Hamburg einen konstantenZufluß von Ideen und Menschen aus dem deutschen Inlandhat, aus dem es seine beste Kraft zieht und ohne den es garnicht existieren könnte, und dessenungeachtet es nie einen Über-fluß an tüchtigen Persönlichkeiten, viel eher, zuzeiten jeden-falls, einen Mangel daran gehabt hat. Aus der wiederholtenBeobachtung der letzteren Tatsache und der Feststellung, daßdem Hamburger das häufig fehle, was Bismarck beim Deutschen als den fehlendenSchuß Champagner im Blute" bezeichnethat, entsprang bei Ballin einmal die Äußerung:Ich seheganz deutlich, was dieser Stadt fehlt, dieser Stadt fehlen10000 Juden. Ich verkenne keineswegs die unangenehmenEigenschaften der Juden, und doch muß ich sagen, für Ham-burgs Entwicklung wären looov mehr davon ein Segen."Auch ein Zeugnis für den vorurteilsfreien Standpunkt Ballinszum Judentum. Keineswegs orthodox, religiös im Gegenteilindifferent, war er viel zu stolz, seine Herkunft oder seine Reli-gion zu verleugnen oder gar zu wechseln, geschweige denn seinen