Aufsatz 
Das Stadtrecht von Messina : Abhandlung / von Otto Hartwig
Entstehung
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Königs nur als historisch beglaubigt anfiihren, dass es vonWilhelm II. wieder hergestellt wurde, nachdem es Ho-ger selbst wieder zurückgezogen hatte, und dass in ihmdie Bestimmung enthalten gewesen sein muss, wie ausspäteren Urkunden hervorgeht, dass der vom König er-nannte Stratigö Messinas nicht eigenmächtig und ohne dieStimme der ihm beigegebenen Richter gehört zu haben,Urtheile sprechen dürfe.) Dass Roger sein Privileg

Die Unächtheit derselben hat aber schon di Gregorio erkanntund die Fälschung in das 16. Jahrhundert gewiesen. Ebenso urtheiltAmari in einem Briefe an mich. Bazancourt hat die unauf-löslichen Widersprüche dieses Machwerks mit den wahrheitsgetreuenBerichten gar nicht bemerkt und lässt dasselbe I. 377 u. f. noch alsetwas besonders Interessantes wieder abdrucken. Mir scheint derSachverhalt folgender zu sein. Im Kloster Salvadore dei Greci zuMessina befand sich ein Manuscript des Geschichtswerkes des Curo-palata Johannes Scilitzes, des Ausschreibers des Cedrenus .Dieses Manuscript, von dem Fazello Lib. II. cap. VI. (ed. AmicoII, 318) erzählt, war interpolirt. Denn es enthielt die gefälschte Er-zählung von der Befreiung Thessalonichs durch die Messinesen 408,auf Grund deren Kaiser Arkadius das Privileg verlieh. (Es sinddieses die s. g. Ilpa^ete xav ßaaikecov.) Denn Maurolycus,Berum Sicanicarum compendium ed. Mess. 1716. S. 94 sagt ausdrück-lich Curopalatus . . . unde et ca, quae nuper de Arcadio scrip-simus translata fuerant, similiter latinis historicis ignota. Aus diesemManuscript oder einer Fortsetzung desselben scheint nun auch F a-z e 11 o seine Nachricht von der Gesandtschaft der Messinesen an dieNormannen, die er nicht bezweifelt, während er sich sonst gegen Ur-kunden, die die Messineser ihm vorgelegt hatten, kritisch verhält,geschöpft zu haben. Nach diesem Bericht sind dann die Erzählungund die Reden der Gesandten, wie sie bei B a 1 u z i u s vorliegen, ent-standen. Welche Wichtigkeit man jenem Manuscripte des Curopalatabeilegte, geht daraus hervor, dass man es später im Stadtarchiv auf-bewalirte. Ein kurzer Auszug aus dem Buche scheint in einer frag-mentarisch erhaltenen Chronik in sicilischem Dialekt vorzuliegen,den Gallo am Schluss des zweiten Bandes seiner Annali aufbewahrthat. Hier wird von der Familie Porco, die von den Catonen ab-stamme, gesprochen, die Fabeln von Metrodor, Maniaces, der Ge-sandtschaft der Messinesen nach Melito erzählt, u. s. w. Bedenktman Alles das und dass diese kurze Chronik gleichfalls von einemBasilianermönche aus dem Griechischen ins Sicilianische übersetztsein will und dieselbe mit dem Ende der gefälschten Diplome, derRegierung Kaiser Friedrichs II., aufhört, so kann man gar nichtüber den einheitlichen Charakter jener Fälschungen im Zweifel sein.

') Gallo II. 90 u. 93. Ich kann allerdings gewisse Zweifel ander Aechtheit dieser Urkunden auch nicht unterdrücken. HugoFalcando bei Caruso I. 468.

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