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Ausserdem kamen bedeutendere Unterbrechungen des re-gelmässigen Unterrichts nur bei Dr. Braun vor, der nachden Sommerferien eine Woche Urlaub zu Vollendung einerBadekur erhielt und während des Winters eine gleiche Zeitdurch Krankheit von der Schule fern gehalten wurde, undbei Pfr. Meurer, der durch Unwohlsein 10 Tage am Un-terrichten gehindert war.
Zum Ersatz für den kurz vorher verstorbenen Hülfs-lelirer Dr. Giindlach wurde der GymnasialpracticantKarl H e 1 d m a n n, der bis dahin an dem Gymnasium zuHanau beschäftigt gewesen war, mit Ausliülfeleistung imUnterricht an der hiesigen Anstalt beauftragt, aber schonim Juli von hier abberufen und mit gleichem Aufträge andas Gymnasium zu Cassel gesandt. An seine Stelle tratvom 1. August an nach Beschluss Kurfürstlichen Ministe-riums des Innern Dr. Otto Hartwig . Ueber sein Lebenberichtet derselbe Folgendes:
Otto Hartwig ist am 16. November 1830 zu Wich-mannshausen in Niederhessen geboren. Bis zu seinem 12.Jahre wurde derselbe von seinem Vater, einem Geistlichen,unterrichtet und 1842 auf das Progymnasium zu Eschwege geschickt. Nachdem er die beiden oberen Klassen des-selben besucht hatte, liess ihn sein Vater das Gymnasiumzu Hersfeld beziehen. Dort verweilte er von Ostern 1844bis Ostern 1850. Darauf besuchte er die Universität Mar-burg , um Theologie und Philologie zu studieren. Ostern1852 vertauschte er, mit einem Stipendium ausgestattet,die Universität Marburg mit der von Halle, wo er bis zumnächsten Frühjahr blieb. Durch eine Krankheit in seinenStudien aufgehalten, konnte er erst Ostern 1855 sein theo-logisches Examen absolviren, worauf er sich, mit einemUniversitätsreisestipendium versehen, nach Güttingen begab,um dort auf der Bibliothek zu arbeiten. Eine Frucht die-ser Studien war sein Buch: „Ueber das Leben und dieSchriften Heinrichs von Langenstein, Marburg 1857.“ Indemselben Jahre wurde er, nachdem er zum Dr. phil. pro-movirt war, zum zweiten und kurz darauf zum ersten Re-petenten an der theologischen Stipendiatenanstalt der Uni-versität ernannt und blieb in dieser Stellung bis zumFrühjahre 1860. Er folgte jetzt einem Rufe der deutschenevangelischen Gemeinde zu Messina in Sicilien , die ihn zuihrem Geistlichen und Lehrer ernannte. Einen Zeitraum