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Das Geld im russisch-japanischen Kriege : Ein finanzpolit. Beitrag z. Zeitgeschichte von Karl Helfferich / [Helfferich, Karl]
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I I Erster Teil, Die Finanzen Rußlands und Japans vor dem Kriegsausbruch.

nach den genannten Ländern z» remittieren hatte, wird ans 450 bis5,00 Mittionen Franken für das Jahr veranschlagt. Hauptsächlich fiirden Dienst seiner im Ausland untergebrachten Anleihen hält dasrussische Finanzministerium in London, Paris uud Berlin ständigeGuthaben, deren Höhe natürlich beträchtlichen Schwanknngen unter-worfen ist: sie sotten sich in den ersten Monaten des Jahres 1904 ansetwa MO Millionen Fronten belaufe» haben.

Zu der starken Verschnldnug des russischen Staates an das Aus-land kommt hinzn, dafz ein großer Teil der nen geschaffenen russischenIndustrien durch ausländisches Kapital ins Leben gernfen ist oderwenigstens teilweise mit ausländischem Kapital arbeitet. Die Aktiennnd Obligationen von zahlreichen Uuternehmnngen, insbesondereauf dem Gebiet des Bergbaus und der Metallverarbeitung sowie vonStraßenbahngesellschaften usw. sind im Besitz des Auslandes, nament-lich Frankreichs, Teutschlands und Belgiens , und die auf diese Wertezu zahleuden Dividenden uud Zinsen bilden neben den Zinsen derStaatsschuld eine weitere erhebliche Belastung der russischen Zahlungs-bilanz.

2. Die Entwicklung der russischen Staatsstnanzenin den letzten Jahrzehnten.

An sich kann ein Momentbild des russischen Budgets nud derrussischen Staatsschuld eine Beurteilung der russischen Finanzkrafttanm ermöglichen: dieses Bild bedarf vielmehr zu seiner Ergänzungeines Überblicks über die Eutwickluug der russischen Finanzen wäh-rend der letzten Jahrzehnte.

Die Gestaltung des Staatshaushalts.

Tie Größe der seit der Mitte des 10. Jahrhunderts von Ruß-land auf wirtschaftlichem, militärischem uud weltpolitischem Gebietzu bewöltigeudeu Aufgaben, insbesondere die Befreiung uud Ablösungder Bauern, der Ausbau eines gewaltigen Eisenbahnnetzes uud diebeträchtlichen Kosten zuerst des Krimkriegs, dann des rnssisch-tür -kischen Kriegs, haben an die russischen Staatsfinanzeu enorme An-sprüche gestellt, denen diese aus verschiedene!? Gründen fürs erste nichtgewachsen waren. Zunächst fehlte in der russischen Wirtschaftsver-fassuug, solange die bäuerliche Naturalwirtschaft unbediugt vor-