genommene Summe in Höhe von 800 Millionen Franken sei nur eineerste Rate der geplanten russischen Anleihen und es werde in kürzesterZeit eine zweite Anleihe in Teutschland folgen, sind anch in denfolgenden Monaten trotz aller Dementis nur zeitweise verstummt,schon deshalb, weil man — wie oben erwähnt — fiir das Jahr 1904allgemein die russischen Kriegskosten erheblich überschätzte und weilman sich für den Zeitpunkt, bis zu welchem Nußland mit feinen ver-fügbaren Mitteln zu Ende sein werde, einen beträchtlich zu früh-zeitigen Termiu berechnete. Im November 1904 verdichteten sich dieGerüchte dahin, daß der Abschluß einer Anleihe von 1300 MillionenFranken bevorstehe, von der 500 Millionen in Deutschland und800 Millionen in Frankreich begeben werden sollten (Rentermeldnngvon, 25, November 1904).
Ob tatsächlich damals Verhandlungen auf einer solchen Grund-lage mit einer Pariser Finanzgrnppe schwebten, ist nicht zuverlässigbekannt. Ein Abschluß mit einer französischen Gruppe ist jedenfallsnicht erfolgt, und auch mit einem deutschen Konsortium sind erst inden letzten Tagen des Jahres 1904 Abmachungen getroffen worden.Bei der Anspannung, in welcher sich die europäischen Geldmärkteregelmäßig im letzten Drittel des Jahres befinden, und bei der Er-leichterung, die man ans Grund der Erfahrung alsbald nach derJahreswende erwarten darf, konnte man von vornherein annehmen,daß die russische Finanzverwaltung die Emission einer neuen An-leihe nach Möglichkeit auf die Zeit nach dem Jahreswechsel verschiebenwürde. Es war, wie wir sehen werden, vor allem der günstige Standder russischen Reichsbank, der dem russischen Finanzminister gestattete,für die Aufnahme einer neuen Ausländsanleihe in Ruhe die im Ja-nnar regelmäßig wiederkehrende Erleichterung des Geldmarktes ab-zuwarten.
Die neue, mit 4i/>prozentiger Verzinsung ausgestattete Anleihewurde mit einer deutscheu Gruppe unter Beteiligung der größerenrussischen Bankeil und eiues Amsterdamer Baukhauses abgeschlossen.Die deutsche Gruppe bestaub aus den Bankhäusern Mendelssohn u. Co., S. Bleichröder, der Diskonto-Gesellschaft und der BerlinerHandelsgesellschaft. Die Titres der Anleihen lauten außer auf Reichs^mark auch auf holländische Gulden und Pfund Sterling . DerGesamtbetrag wurde auf 500 Millionen Mark 231,5 Millionen