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Das Geld im russisch-japanischen Kriege : Ein finanzpolit. Beitrag z. Zeitgeschichte von Karl Helfferich / [Helfferich, Karl]
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112 Zweiter Teil. Die fmaniiellen Ariegsmasziuchmen.

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haben im Allsland. Aber immerhin kann man den Stand des Bank-guthabens als ein Syluptom für den Stand der Gesamtheit der fürdie rnssische Finanzverwaltnng verfügbaren Mittel nnfehen. Einebeträchtliche Erschöpfung dieser letzteren ergibt sich für Mitte März1905 auch aus einer Vergleichnng der Kriegsansgaben mit den fürKriegszwecke freien Geldern. Läßt man die 141 Millionen Rubel,die von den bereits angewieseilen Kriegskrediten Ende 1904 noch nichtverausgabt waren, außer Ansatz uud schlägt man zu den 104 Millio-nen Rubel, die au freiem Barbestand nach Abzug des Defizits desnormalen Budgets Aufaug 1905 vorhanden waren, den Erlös derBerliner Anleihe mit etwa 21V Millionen Rubel hinzu, so erhält maueine verfügbare Summe von 314 Millionen Rubel, die für uicht vielmehr als drei Kriegsmonate ausgereicht habe» dürfte.

Unter diesen Verhältnissen sah sich die russische Finanzverwaltnnggenötigt, auf den inneren Geldmarkt zurückzugreifen. Diesen hatteman bisher aus den Gründeu, die ich oben angedeutet habe, uachMöglichkeit geschont und im Laufe des Jahres 1904 nur mit derEmission von 150 Millionen Rubel 4jähriger Renteibillette belastet.Nunmehr ließ sich jedoch eine Jnansprnchnahme des inneren Marktesnicht mehr länger umgehen, wenn man nicht bei der Bank einen Vor-schuß aufnehmen wollte. Zn dem letzteren Austuuftsmittel bestandaber auch jetzt noch keinerlei Neigung. Die rnssische Finanzver-waltnng trat zwar energisch allen Zweifeln an der Nichtigkeit ihrerAngaben über den Goldbestand der Reichsbank entgegen: der Finanz-minister lud sogar den Redakteur derTimes", die einen Artikel vonL u r i e n Wo lf gebracht hatte, in dem der Goldbestand derrussischen Reichsbank mit deni Geldschrank der Familie H u m bertverglichen war, zu einer Besichtigung und Nachprüfung des Gold-bestandes ein. Aber ebenso energisch dementierte der Finanzministeralle Ausstreuungen darüber, daß er nunmehr genötigt oder gewillt sei,den Kredit der Neichsbauk in Anspruch zu nehmen und zu diesemZwecke eventuell die Einlösung der Banknoten zu suspendieren.

Der Appell an den innern Markt gewann Gestalt in der Emissioneiner inneren steuerfreien öprozentigen Anleihe im Betrage vou200 Millionen Rubel. Die Anleihe ist vor dem Jahre 1917 uuküudbarund nnkonvertierbar. Die Amortisation hat innerhalb von 49 Jahren