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Das Geld im russisch-japanischen Kriege : Ein finanzpolit. Beitrag z. Zeitgeschichte von Karl Helfferich / [Helfferich, Karl]
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I, Rußland , 115

dem bevorstehenden Abschluß der Anleiheverhandlnngen; dann aberstellte sich heraus, daß eine ganz neue und selbständige Finanz-operation der russischen Regierung vorlag! die Begebung von 5pro-zentigen Schatzwechseln mit ueunnionatlicher Laufzeit im Betragevon MV Millionen Rubel; davon sollen 50 Millionen von russischen Banken übernommen und 15V Millionen an das deutsche Kousortiuui,das die Jauuarauleihe übernommen hatte, begeben worden sein. DieAusgabe dieser Schatzwechsel wurde durch einen Utas vom 3,/1V, Maiautorisiert; iu Wirklichkeit hatte die Begebung schon wesentlich früherbegonnen. Abgesehen von den 5 Prozent Diskont erhielten die über-uehmeudeu Banken eine Provision von 1 Prozent, durch die sichdie Ziusbelastuug dieser Geldbeschaffung für den russischen Staatauf etwa 6,6 Prozent i»?!- aui^m stellte. Der Nettoerlös der Ope-ration dürfte sich auf etwa IM Millionen Nnbel belaufen haben.

Für die russische Negierung, die für den Februar 1MV die Mittelzur Eiulösung der Schatzwechsel bereit zu stellen oder sie zu diesemZeitpunkt durch eine fundierte Anleihe zn ersetzen hat, war ans dieseWeise die Schwierigkeit der Geldbeschaffung nur für eine kurze, aber wie sich gezeigt hat für den vorliegenden Zweck immer-hin ausreichende Zeitspanne überwunden. Nachdem der Friedegeschlossen ist, wird die russische Regierung im Februar kommendenJahres voraussichtlich zu günstigeren Bedingungen das zur Ein-lösung der Schatzwechsel benötigte Geld im Wege einer Anleihe auf-bringen können, als es im Mai 1905 möglich gewesen Ware, Für diedenkschen Banken war die Form der Schatzwechsel annehmbar, da sieihnen bei der Flüssigkeit des Geldmarktes eine günstige Anlage-gelegenheit vorübergehend freier Mittel bot und da zur Unter-briuguug der Schatzwechsel nicht ans das für Anleihen in Betrachtkommende große Publikum zurückgegriffen werden mußte.

Die zweite innere Anleihe von 1M5.

Mit den geschilderten Operationen war der Geldbedarf für denKrieg soweit gedeckt, daß erst zu der Zeit, als die Friedensverhand-lungen bereits eingeleitet waren, die russische Regieruug mit einerneuen Finanzoperation hervortrat. Durch die Berliner Anleihe, dieinnere Anleihe und die Schatzwechselbegebuug waren der russischen Finanzverwaltung nahezu MV Millionen Rubel zugeflossen, so daß ein-

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