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Das Geld im russisch-japanischen Kriege : Ein finanzpolit. Beitrag z. Zeitgeschichte von Karl Helfferich / [Helfferich, Karl]
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-zweiter Teil. Die sinanziellen Kricgsmaßnahmen.

hart erscheinen. Noch wenige Monate vor dem Krieg hatte in Lon-don die einzige vorhandene Sterlinganleihe Japans , die 4prozentigeAnleihe von 1899, etwa 85 notiert: das bedeutete eine effektive Ver-zinsung von 4,7 Prozent, wahrend jetzt der japanische Staat sich eineZinsbelastung von nahezu 8 Prozent gefallen lassen ninßte. Insbe-sondere erscheinen die Bedingungen hart gegenüber denjenigen, dieNnßlanb um dieselbe Zeit auf dem Pariser Markt für seine Anleiheerlangte. Rußland hat den Betrag von etwa 648 Millionen Markgegen eine effektive Verzinsung von 6,2 Prozent fiir fünf Jahre unter-gebracht, während Japan , um einen Betrag von etwa 269 MillionenMark zn begeben, fiir sieben Jahre eine effektive Zinsbelastung vounahezn 8 Prozent ans sich nehmen mußte. Eiu besseres Resultat waruicht zu erzielen, obwohl die auf dem Londoner Markte in jener Zeitnicht minder wie in Paris herrschende Geldfliissigkeit der Unterbrin-gung der Anleihe sehr zu statten kommen mußte. Der Privatdiskontauf dem Londoner Markte betrug im Mai 1904 durchschnittlich mir2,67 Prozent gegen 3,44 Prozent im Mai 1963 uud 2,86 Prozent imMai 1962; am 19. Mai 1904 wurde der Privatdiskont sogar nnr mitIVio Prozent notiert. Die hohe Verzinsung der japanischen Anleihehat bei der Flüssigkeit des Geldmarktes allerdings ihre Wirkungauf die Speknlationslust nicht verfehlt! als die Anleihe am 12. Maizur öffentlichen Zeichnung aufgelegt wurde, fand sie reißenden Absatznnd wurde dreißigmal überzeichnet. Den ganz großen Zeichnern sollnnr ein Sechzigste! des subskribierten Betrages zugeteilt worden fein.Nach deinEcouomist" wurde auf der Londoner Börfe vielfach be-dauert, daß Japan nicht die ganze Anleihe ans dem Londoner Marktezur Begebung gebracht habe, der Wohl schwerlich ein zweites Maleiner japanischen Emission eine so enthusiastische Aufnahme bereitenwerde.

Die zweite innere Anleihe.

In Japan selbst scheint man über die harten Bedingungen, dieman sich in London uud New-Iork diktieren lassen mußte, uichtSweniger als erfreut gewesen zu sein: diese Bedinguugen haben jeden-falls dazu beigetragen, daß die japanische Finanzverwaltung eineabermalige Inanspruchnahme des internationalen Geldmarktes solange wie irgend möglich zu vermeiden suchte. Auderseits war offen-bar auch durch die Sterliuganleihe der Geldbedarf für den Krieg nicht