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Das Geld im russisch-japanischen Kriege : Ein finanzpolit. Beitrag z. Zeitgeschichte von Karl Helfferich / [Helfferich, Karl]
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Dritter Teil. Die finanziellen und wirtschaftlichen Mlckwirknnzcn des Krieges.

dings hatte dabei der Zinsfuß, der von seiner abnormen Höhe inden Iahren 1899 und 1900 während der Periode der Depression starkherabgegangen war im April 1902 wurde in Berlin zeitweise einPrivatdiskontsatz von nur 14/2 Prozent notiert, wieder etwas an-gezogen. Der durchschnittliche Zinssatz für kurzfristigen Kredit standim Jahre 1903 auf den wichtigsten europäischen Geldmärkten wiederetwas höher als im Jahre 1902, und eine leichte Verteuerung desZinsfußes für langfristigen Kredit trat in einer erneuten Ab-schwächnng der Kurse der wichtigsteu Staatsanleihen zutage. Immer-hin war die Zinssteigerung so geringfügig, daß der Geldstand znBeginn deS Jahres 1904 als durchaus günstig bezeichnet werdenkonnte.

Für die Entwicklung des Geld- und Kapitalmarktes der West-,lichen Länder während der Dauer des Krieges war die Tatsache vonder größten Wichtigkeit, daß der Krieg keinerlei erhebliche Störungenin den allgemeinen wirtschaftlichen Verhältnissen der unbeteiligtenStaaten hervorgebracht hat. Der Welthandel wurde durch den Kriegweit weniger beeinflußt, als man es in der Zeit unmittelbar nachdem Beginn der Feindseligkeiten erwartete. Der auswärtige HandelRußlands unterlag überhaupt keinerlei unmittelbaren Störungendurch den Krieg, sondern nnr den mittelbaren Einwirkungen, die sichaus dem Einfluß des Krieges auf die inneren Wirtschaftsverhältnissedes russischen Reiches ergabeu und die insbesondere in einer nichtsehr erhebliche» Verminderung der Einfuhr zutage traten. DerSchiffsverkehr mit Ostasieu wurde allerdings in den ersten Monatendes Krieges empfindlich beeinträchtigt! aber die Zahlen des japanischenAußenhandels im Jahre 1904 zeigen, daß eilte nachhaltige Einschrän-kung des Handelsverkehrs nicht Platz gegriffen hat. Soweit einzelneErwerbszweige in den an dem Handel mit den kriegführendenStaaten interessierten Ländern Einbußen durch den Krieg erlittenhaben, dürfen ans der andern Seite die Anregungen nnd Gewinnenicht übersehen werden, die wichtigen Industriezweigen der neutralenLänder ans dem enormen Bedarf an Kriegsmaterialien jeder Arterwachsen sind.

Die allgemeinen wirtschaftlichen Verhältnisse der unbeteiligtenLänder sind also durch den Krieg nicht in einer Weise beeinflußtworden, daß sich daraus Rückwirkungen auf ihren Geld- nnd Kapital-