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Das Geld im russisch-japanischen Kriege : Ein finanzpolit. Beitrag z. Zeitgeschichte von Karl Helfferich / [Helfferich, Karl]
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21g Dritter Teil. Die finanziellen und wirtschaftlichen Rückwirkungen des Krieges.

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der deutschen Reichsbank in einer Sitzung des Zentralausschnsses eineErmäßigung des Diskontsatzes, wie sie unter andern Umständenzweifellos vorgenommen worden wäre, in, Hinblick auf die durch denKrieg uotwendig gemachte Vorsicht für unmöglich und sogar eiueErhöhung fiir nicht ausgeschlossen erklärt. Berlin hatte zu Aufaugdes Jahres 1904 einen beträchtlich niedrigeren Marktdiskont als dieübrigen westeuropäischen Plätze! die Folge war, daß Gelder vonDeutschland nach diesen anderen Plätzen gelegt wurden, nm von dendort bestehenden höheren Zinssätzen zu profitieren. Um dem Gold-erPort einen Riegel borznschiebeu und die verfügbaren Mittel fiir alleEventualitäten dem deutschen Markte zu erhalten, nötigte die Neichs-bant durch umfangreiche Rediskontiernngen von Neichsschatz-anweisnngen, die sie damals in großen Beträgen übernommen hatte,den offenen Markt zu einer Erhöhung seines Zinssatzes. Es istwesentlich mit auf diese in Rücksicht ans den Krieg getroffene Maß-nahme zurückzuführen, daß das Verhältnis von Berlin zn den übrigenGeldmärkten sich nmkehrte nnd daß Berlin vom März an fiir längereZeit einen höheren Marktdistont hatte als London nnd insbesondereals Paris. Anch die Bank von England hat zweifellos nnr im Hin-blick auf den Krieg ihre Diskontcrmäßigungen bis Mitte Aprilhinansgeschoben.

Im zweiten Quartal 1904 haben den ungünstigen Einflüssen desKrieges umfangreiche Verschiffungen von Gold aus den VereinigtenZweiten, Südafrika usw. nach Europa, vor allem nach Frankreich ,entgegengewirkt und in Verbindnng mit der allgemeinen wirtschaft-lichen Lage die Tendenz einer Ermäßigung des Zinsfußes geschaffeu.Im einzelnen ist dabei die Lage der Geldmärkte durch die großenFinanzoperationen der beiden kriegführende» Mächte, die im Maiund Jnni durchgeführt wurden, in einer höchst interessanten Weisebeeinflußt worden. Es ergab sich die überraschende nnd auf denersten Blick parador aussehende Erscheinung, daß die durchden Geldbedarf der kriegführenden Staaten zunächst und am stärkstenin Anspruch genommenen Geldmärkte Paris und London diegrößte Ermäßigung der Zinssätze erfuhren, während der vorläufignoch vou den finanziellen Kriegsmaßnahmen unberührte BerlinerMarkt während jener Zeit in einer relativen Anspannung verblieb.Im Mai 1901 stellte sich der dnrchschnittliche Marktdistont in Berlin auf 3,19 Prozent, in Paris anf 2,35 nnd in London auf nnr 2,97 Pro-