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Das Geld im russisch-japanischen Kriege : Ein finanzpolit. Beitrag z. Zeitgeschichte von Karl Helfferich / [Helfferich, Karl]
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III. Der internationale Geld- und Kapitalmarkt. ^17

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zent; ini Juni war der durchschnittliche Berliner Satz immer noch2,98 Prozent, während er in London nnr 2,09 und in Paris gar nnr1,73 Prozent erreichte. Im ganzen zweiten Quartal 199-1 ging inBerlin der Marktdiskont an keinem Tage unter 2^ Prozent herab,während er in London zeitweise mit 1^'/^ lind in Paris sogar mitunr 1^ notiert wurde. Dabei hatte der Loudourr Markt die japa-nische Anleihe und der Pariser Markt die große Russenanleihe unter-zubringen.

Die Erklärung für dieses widerspruchsvoll erscheinende Ver-halten der Geldmärkte liegt zum Teil darin, daß in denjenigen Län-dern, an welche sich die kriegführenden Staaten mit ihrem Geldbedarfzunächst wendeten, die Möglichkeit einer hochverzinslichen Kapital-anlage im Wege einer Beteiligung an den Kriegsanleihen wie einMagnet auf das flüssige Kapital gewirkt und umfangreiche Mittel,die sonst träge auf dem Gründe lagen, an die Oberfläche gezogenhat. Zum andern Teil hat die Auflegung der japanischen Anleihe inLondon nnd noch beträchtlich mehr die Auflegung der russischen An-leihe in Paris zu einem starken Zufluß von Geld ans dem Ausländenach diefeu Zentren geführt, in erster Linie Wohl in der Weife,daß die englischen und französischen Geldgeber ihre auswärts ange-legten flüssigen Mittel zum Zweck einer Beteiligung au deu Anleihenzurückzogen, in zweiter Linie Wohl auch infolge einer nnmittelbarenoder mittelbaren Beteiligung fremden Kapitals an den Anleihen. InParis haben noch besondere Verhältnisse mitgespielt. Einer der erstenPraktiker, der inzwischen verstorbene Direktor des Credit Lhonnais,Herr Gernmiu, hat berechnet, daß Frankreich , das keine neuen großenIndustrien schafft und die vorhandenen kaum entwickelt, vielmehr seineenormen Ersparnisse vorwiegend in zinstragendeil Wertpapieren an-legt, in der letzten Zeit jährlich etwa 1-^ Milliarden Franken an aus-ländischen Werten neu aufgenommen hat; in dem Jahre unmittelbarvor dem Kriege (1993) habe jedoch die Summe der in Frankreich untergebrachten ausländischen Werte nur 713 Millionen Franken be-tragen.") Danach muß iu der Tat Frankreich einen gewaltigenBetrag verfügbarer Mittel in das erste Kriegsjahr hinüber-genommen haben. Die Geldflüssigkeit in Paris mag außerdem durchgewisse Operationen der russischen Finanzvcrwaltnng noch künstlich

Neue ^reie Presse" i,wm 1. Januar l905>.