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Das Geld im russisch-japanischen Kriege : Ein finanzpolit. Beitrag z. Zeitgeschichte von Karl Helfferich / [Helfferich, Karl]
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Dritter c!.eil. Die finanziellen und wirtschaftlichen Rückwirkungen des Krieges.

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zent entschloß sie sich erst ain I I. und 25. Februar, nachdem sie vor-her den Versuch gemacht hatte, die immer größer werdende Differenzzwischen ihrem offiziellen Satze und dem bis auf 1^ Prozent zurück-gehenden Marktdiskont, der die Goldbewegnng zu Ungunsten Teutsch-lands zu beeinflussen drohte, dnrch umfangreiche Rediskontierung vonNeichsschatzanlveisnngen zn verringern.

Trotz der im Mai auf dem deutscheu Geldmarkt erfolgten Diskon-tierung russischer.ZchatzN'echsel im Betrag von liZOMillionen Rubel undtrotz der beiden großen japanischen Anleihen vom März nnd Juli1W'>,von denen die letztere außer in London nnd New-?)ork mich in Berlin ausgelegt wurde, hat die Geldflüssigkeit auf den europäischen Märktenbis zum September vorgehalten, freilich ans den einzelnen Plätzennicht in gleichem Maße. Während der Berliner Privatdiskont nochim April niedriger notierte als der Londoner und Pariser , stand vomMai an in Berlin der Privatdiskont wieder höher als au den beidenandern Plätzen, wenn er auch hinter dem Stande der Parallelmonatedes Vorjahres nicht unerheblich zurückblieb. Am niedrigsten war derZinssatz in Paris , wo der Privatdiskont während des zweitenQuartals 19W zeitweise nur l > Prozent notierte, während die nie-drigste Rotierung iu Berlin nnd in London 2 Prozent war. TieVerschiebung war znm Teil dadurch verursacht, daß infolge des wäh-rend der ersten vier Kalendermonate 1905 in Berlin bestehenden nie-drigen Zinssahes ausländische, insbesondere französische Guthabenvon Berlin zurückgezogen wurden, eine Tendenz, die durch dieMarokko -Angelegenheit noch eine Verschärfung erfuhr. Außerdemaber konnte es nicht ausbleiben, daß der lebhaftere Geschäftsgang inTeutschland sich iu höhereu dentschen Zinssätzen allmählich wiederAnSdrnck verschaffte.

Das letztere Moment mußte mit nm so größerer Stärke wirksamwerden, als der übliche Herbstbedarf an flüssigen Mitteln einzutretenbegann. Zn den Bedürfnissen der Industrie und des Warenhandelskamen in Deutschland die beträchtlichen Anforderuugen der Börsehinzu; diese Anforderungen steigerten sich im Laufe des Septembernnd namentlich in der letzten Septemberwoche derartig, daß diedeutsche NeichSbank am 30. September mit einer Wechselanlage von13^3 Millionen Mark, einem Notenumlauf von 1W3 Millionen Markund einem Metallbestand von nur 732 Millionen Mark die weitaus