III. Der internationale Geld- und Kapitalmarkt.
stärkste Anspannung seit ihrem Bestehen erfuhr. Die Reichsbnnkhatte in Erwartung einer starken Inanspruchnahme schon am 11. Sep-tember ihren Diskantsatz von 3 auf 4 Prozent erhöht und nahm als-bald nach dem Onartalswechsel, am 3. Oktober, eine weitere Erhöhungauf 6 Prozent vor, der am 4. November eine abermalige Erhöhung ans5^ Prozent folgte. Tie Bank von England, die im März ihrenZiussatz von 3 auf 2^/. Prozent ermäßigt hatte, war schon am 7. Sep-tember wieder ans 3 Prozent gegangen nnd ließ am W. Septembereine weitere Erhöhung auf 4 Prozent eintreten. Ter Marttdiskontstieg im September in London bis ans 3^, in Berlin ans 3^ Prozent,während in Paris, wo die Bank von Frankreich ihren ossiziellen Sahvon 3 Prozent unverändert aufrecht erhielt, die höchste Notierungdes Privatdiskont 2^ Prozent war. Im Oktober 1W5> waren diehöchsten Notierungen des Marktdiskonts in Berlin 4^, in London 4^ und in Paris 3 Prozent.
In den Geldmarktsverhältnissen, wie sie sich vom September angestalteten, ist von irgendwelchen Einwirkungen des Krieges kaummehr etwas zu merken. Lediglich die Tatsache, daß man mit der all-mählichen, in ihrem Tempo aber unberechenbaren Abhebung mimdestens eines großen Teils der russischen nnd japanischen Guthabensich vertraut machen mußte, daß diese Guthaben also nur eine ganzkurzfristige Anlage gestatteten, wirkte wenigstens im September nochdarin fort, daß — wie nahezu während des gauzeu Krieges — so auchjetzt noch die Zinssätze für tägliches Geld sich zeitweise sehr erheblichunter dem Niveau des Privatdiskouts für Dreimonatslvechsel hielten.Im übrigen waren es die allgemein-wirtschaftlichen Verhältnisse dereinzelnen Länder, die von neuem wieder so gut wie ausschließlich da-?Verhalten der europäischen Geldmärkte bestimmten.
Alles in allem ist der internationale Geldmarkt infolge eineraußerordentlich geschickten nnd die Marktverhältnisse im eigenen In-teresse so weit wie wie möglich schonenden Dnrchsührnng der Finanz-operationen der kriegführenden Staaten vor jeder merklichen Stö-rung und nachhaltigen Beeinflussung bewahrt geblieben, bis zn demMaße, daß der alte und an sich unanfechtbare Satz, daß ein steigenderKreditbegehr die Tendenz hat, den Zinsfuß zu erhöhen, geradezu insein Gegenteil verkehrt erscheint. In bezug auf die technische Tnrch-fnhrnng großer Finanzoperationen gehört die Art nnd Weise, in der