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Reden und Aufsätze aus dem Kriege / Helfferich
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steuert, das alles sind kleine Leiden gegenüber den beispiel-losen Opfern an Gut und Blut, die das Volk in einmütiger Ge-schlossenheit seit 20 Monaten für das Vaterland bringt, kleineLeistungen gegenüber der unsagbaren Grösse an Heldentum undAufopferung, die wir Daheimgebliebenen an unseren braven,draussen im Felde stehenden Truppen Tag für Tag neu bewundern.

Meine Herren, ich freue mich, dass dieser Geist schliesslichdoch, unbeschadet aller Kritik an den Steuervorlagen, die öffent-lichen Erörterungen und die Beratungen der interessierten wirt-schaftlichen Verbände durchdringt. Wir dürfen uns freuen, dassdie massgebenden industriellen und kaufmännischen Körperschaftendie Besteuerung der Kriegsgewinne ohne weiteres als berechtigtund notwendig anerkannt haben, dass unsere schaffenden Ständedamit ihren nicht hoch genug anzuerkennenden Leistungen um dieVerteidigung des Vaterlandes ein neues Ehrenblatt hinzufügen.Wir dürfen uns freuen, dass die Tabakindustrie in ihrer grossenMehrheit sich ohne Zögern bereit erklärt hat, neue Lasten zu-gunsten des Beichs zu übernehmen; und nicht minder, glaubeich, dürfen wir stolz darauf sein, dass die berufenen Vertreterdes deutschen Handels und der deutschen Industrie, die bisheröffentlich Stellung genommen haben, so die rheinische und west-fälische Handelskammer, die hessischen Handelskammern und inden letzten Tagen der Ausschuss des Deutschen Handelstages, fürdie Gesamtheit der Steuervorlagen die gleiche Gesinnung, vor-behalten der Kritik im einzelnen, zum Ausdruck gebracht haben.Ich nehme das an als eine gute Vorbedeutung nicht nur fürdie gegenwärtigen Vorlagen, sondern auch für die grösseren Auf-gaben, die uns für die Zukunft bevorstehen, als einen neuen Beweisdafür, dass unser deutsches Volk nicht nur durch die Zeichnungauf die Kriegsanleihen, sondern auch durch die willige und ent-schlossene Uebernahme der neuen Steuerlast dem Beiche gebenwird, was das Beich in Krieg und Frieden für seinen Bestandund seine Grösse braucht.

Das wäre, was ich im gegenwärtigen Stadium über den Etatund die Steuervorlagen Ihnen zu sagen hätte. Aber obwohl ichIhre Geduld ja schon reichlich lange in Anspruch genommen habe,darf ich Sie bitten, mir noch kurze Zeit Gehör zu geben, um mich