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die unsere Reichsfinanzen jetzt durchmachen, scheint mir dieFrage berechtigt, ob ein solches Milliardenunternehmen des Reichsnicht für einige Zeit etwas weniger selbstlos arbeiten kann, obes nicht möglich ist, hier einmal die Schraube ohne Schadenetwas schärfer anzuziehen und ohne jede Vermehrung der Ver-waltungskosten durch eine Steigerung der Bruttoeinnahmen umetwa 20 Prozent den bisherigen Reinertrag um 200 MillionenMark zu erhöhen, das heisst, ihn zu verdreifachen. Meine Herren,ich werde ein gutes Pferd selbstverständlich pfleglich behandelnund es nicht ohne Not überanstrengen. Wenn es aber ums Ganzegeht, dann muss es auch einmal hergeben, was es leisten kann.
Es fragt sich auch hier, ob die Zuschläge, die der*Gesetz-entwurf vorsieht, erträglich sind. Ich will gewiss nicht bestreiten,dass sie in vielen Fällen unbequem, ja selbst empfindlich wirkenkönnen, in vielen anderen Fällen ist es zweifellos nicht der Fall.Jedenfalls wird aber auch hier niemand behaupten können, dieZuschläge seien unerträglich und bedeuteten eine ernstliche Ge-fährdung unseres Verkehrs und unserer Wirtschaft.
Meine Herren, Sie werden die Steuern hier und in der Kom-mission unter Ihre kritische Lupe nehmen. Das ist Ihr gutes Recht.Ich habe für meinen Teil Ihnen und der Oeffentlichkeit die Kritikerleichtert, indem ich, abweichend von der wohlberechtigtenUebung, dafür eingetreten bin, dass die Vorlagen veröffentlichtworden sind, ehe der Bundesrat über sie Beschluss gefasst hatte.Ich werde mich über jede Verbesserung freuen, die sich aus IhrerBeratung ergibt. Aber trotzdem glaube ich, Ihren Verhandlungenein Wort mit auf den Weg geben zu dürfen, das in Kriegszeitendoppelte Geltung hat, nämlich das Wort: „Das Bessere ist derFeind des Guten."
Und ein Weiteres möchte ich noch zu den Steuern sagen,was mir am Herzen liegt. Im Dezember vorigen Jahres, als vondem vorbereitenden Gesetz über die Kriegsgewinnsteuer die Redewar, habe ich die Steuern als eine staatsbürgerliche Ehrenpflichtbezeichnet. Das sind die Steuern heute mehr als je. Ob derVermögende von seinem Kriegsgewinne einen ansehnlichen Teilan das Reich abgibt, ob der kleine Mann seine Quittungsmarkeoder seinen Portozuschlag zahlt oder in seinem Tabak dem Reiche
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