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verwendet, es in ganz andere Kanäle geleitet, es in ganz andereFormen gebracht, als in der Friedenswirtschaft.
Ich sprach eben von der Umwandlung zahlreicher Betriebeaus Friedensbetrieben in Kriegsbetriebe. Sie wissen, wie zahl-reiche Fabriken zur Granatenfabrikation, zur Zünderfabrikationherangezogen worden sind, die früher nicht im entferntesten anso etwas gedacht haben und nun eigens dafür eingerichtet werdenmussten. Wir sind während des Krieges durch die grossen Auf-träge, die die Heeresleitung erteilt hat und die notwendig waren,um den Krieg durchzuführen, zu einer Hypertrophie der Kriegs-industrien und zu einer Blutleere der Friedensindustrien gekommen,die noch dadurch verstärkt worden ist, dass in zahlreichen Indu-strien die Rohstoffe fehlen. Wir arbeiten heute eigentlich murnoch für den Krieg. Es ist ein Deplacement der Kapitalien ein-getreten, wie es die Weltwirtschaft noch nicht gesehen hat.
In noch stärkerem Masse als beim Anlagekapital ist das beimBetriebskapital der Fall. Auch hier sehen wir eine grosse Um-schichtung. Wir sehen hier eine Liquidation der Bestände. Diegrossen Vorräte an Rohstoffen, an Halbfabrikaten^und Fertigfa-brikaten werden allmählich aufgebraucht. In Friedenszeiten warenLäger vorhanden, die nicht nur für ein Jahr, sondern — wieuns die Erfahrung bewiesen hat — weit darüber hinaus denBedarf der Volkswirtschaft deckten. Diese Bestände werden durchden Krieg aufgezehrt. Die Konsequenzen für den Uebergang vonder Kriegswirtschaft in die Friedenswirtschaft ergeben sich vonselbst. Die in Beständen angelegten Betriebskapitalien werdenaufgezehrt in ihrer Form, aber sie bleiben erhalten in ihrer Sub-stanz: sie werden durch den Verkauf in flüssiges Kapital, inGeld umgewandelt. Daher die grosse Geldfülle bei unseren Bankenund Sparkassen, die ja wesentlich zu dem ausgezeichneten Erfolgeunserer Kriegsanleihen mit beigetragen hat.
Wenn ich das Wort Kriegsanleihen ausspreche, so sehen Sie,wohin diese flüssigen Gelder nun weiterhin zum grössten Teilgegangen sind. Dabei haben sich die Bestände der Sparkassen,der Genossenschaften usw. trotz der Zeichnungen auf die Kriegs-anleihe nicht vermindert. Ich glaube, dass unser Sparkassenbe-stand um 100 Millionen höher ist als um Beginn des Krieges, und