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Reden und Aufsätze aus dem Kriege / Helfferich
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bei unseren Banken machen wir, so weit ich sehen kann, eineähnliche Erfahrung; dort haben die Einlagen trotz der enormenZeichnungen auf die Kriegsanleihe und des dadurch bedingtenzeitweiligen Abschwellens gegenüber dem Stande vor dem Kriegeerheblich zugenommen. Wir haben es noch immer erlebt, dass,wenn durch die Zeichnung auf die Kriegsanleihe ein starker Rucknach unten erfolgt war, bis zur nächsten Kriegsanleihe immer wiedereine Auffüllung eintrat, die, wenn ich die Sache recht übersehenkann, nicht nur den Stand des halben Jahres vorher erreichte,sondern sogar wesentlich darüber hinausging. Sie sehen also,dass die Gelder, die als flüssige Mittel zu den Banken, Sparkassenund Genossenschaften strömen, sich wieder zu Anlagekapital ver-dichten, indem sie in langfristigen Kriegsanleihen angelegt werden.

Dann haben wir auch zu berücksichtigen, dass die Kriegs-ausgaben, die in den Intervallen zwischen den Aufnahmen dereinzelnen Kriegsanleihen auflaufen, trotz der glänzenden Ergeb-nisse unserer Kriegsanleihen doch nicht in vollem Umfange durchdie langfristigen Kriegsanleihen gedeckt werden. Das hat seineWirkung bei unserem Notenbankwesen, bei unseren Zirkulations-mitteln. Wir haben eine starke Zunahme unseres Notenumlaufsund unserer Darlehnskassenscheine festzustellen. Erfreulich istauf der andern Seite die Steigerung unseres Goldbestandes in derReichsbank, der heute etwa doppelt so gross ist als in Friedens-zeiten. Immerhin haben wir bei den Noten und Darlehnskassen-scheinen zusammen eine Steigerung, die darüber nicht unwesent-lich hinausgeht und das Vierfache des Friedensumlaufs der pa-piernen Zahlungsmittel ausmacht. Das, was hier in Erscheinungtritt, ist ein Teil der Deckung der Kriegsausgaben, eben des-jenigen Teils, der durch die Begebung der Kriegsanleihen selbstnicht vollständig gedeckt werden konnte. Also auch in diesemPunkte haben wir eine Einwirkung des Krieges auf die Verhält-nisse des Kapitals, auf unsere Umlaufsmittel, auf unsere Währung,eine Einwirkung, mit der wir für den Uebergang in die Friedens-wirtschaft sehr ernsthaft werden rechnen müssen.

Dazu kommt noch ein weiteres. Auch in einem andern wich-tigen Punkte hat unsere Anlage in mobilen Werten eine starkeUmschichtung erfahren. Wir sind, alles in allem, mit sehr starken