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Reden und Aufsätze aus dem Kriege / Helfferich
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Arbeitskräfte, die früher in friedlichen Betrieben tätig waren, inMunitionsfabriken und ähnliche Fabriken dirigiert worden sind;andere sind ihrer Friedensarbeit entzogen worden, um draussengegen den Feind zu kämpfen.

Nun wissen Sie alle, dass die Frage der menschlichen Ar-beitskräfte in diesem Kriege eines der brennendsten Probleme ist.Sie wissen alle, wie grosse Mühe es macht, der Industrie dieArbeitskräfte zuzuführen, die sie notwendig braucht, um das zuschaffen, was für die Kriegsführung und für die Volksernährunggeschafft werden muss. Infolge der starken Einziehungen zumHeeresdienst ist eine grosse Veränderung in der Verteilung dermännlichen und weiblichen Arbeitskräfte und in der Beschäftigungder Jugendlichen eingetreten. Ich habe in der vertraulichen Be-sprechung mit den Mitgliedern des Hauptausschusses bereits hierfüreinige Zahlen angeführt und möchte diese Zahlen auch hier mit-teilen: denn sie geben Ihnen ein Bild von den enormen Ver-schiebungen auf diesem Gebiete. In der Land- und Forstwirt 1 -wirtschaft, in der Gärtnerei usw. betrug die Zahl der weiblichenArbeitskräfte am 1. Juli 1914 32 Prozent; heute macht sie 45Prozent aus. Bei der Hüttenindustrie, bei der Metallverarbeitungs-industrie, der Maschinenindustrie usw. betrug die Anzahl der weib-lichen Arbeitskräfte im Jahre 1914 nur 7 Prozent; heute beträgtsie 19 Prozent. Bei der elektrischen Industrie ist der Prozentsatzder weiblichen Arbeitskräfte von 24 Prozent vor dem Kriege jetztauf 55 Prozent gestiegen; also entfällt heute mehr als die Hälftedieser Arbeitskräfte auf Frauen. In der chemischen Industrie istder Prozentsatz der weiblichen Arbeitskräfte von 7 Prozent vordem Kriege auf jetzt 23 Prozent gestiegen. In der Textilindustrieist der Anteil der weiblichen Arbeitskräfte von 54 Prozent auf64 Prozent gestiegen. In der Industrie der Holz- und Schnitzstoffesehen wir eine Steigerung von 15 auf 26 Prozent, in der Nahrungs-und Genussmittelindustrie eine solche von 48 auf 60 Prozent, inder Bekleidungsindustrie eine solche von 53 auf 64 Prozent. Undim Baugewerbe endlich sehen wir eine Steigerung von 3 auf 9Prozent. Diese Zahlen geben Ihnen ein Bild davon, in welchemUmfang sich das Verhältnis der männlichen und weiblichen Ar-beitskräfte während des Krieges verschoben hat.